NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) fordert Konsequenzen aus dem Skandal – auch als Hilfe für die Landwirte.

Johannes Remmel
Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne).

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dpa

Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne).

Herr Remmel, wie stark ist NRW von dem Dioxin-Skandal betroffen?

Remmel: Zur Zeit wissen wir, dass 153 Zuchtbetriebe Futtermittel von der Firma bezogen haben. Zwei Betriebe haben wir bereits vor Silvester gesperrt. Die Produkte aus den anderen zwölf Betrieben werden gerade untersucht. Die Ergebnisse werden noch in dieser Woche vorliegen.

Wie sollen sich die Verbraucher verhalten? Können Sie noch Eier kaufen?

Remmel: Ein Ei ist nach den bisherigen Werten noch nicht ein großes Problem. Wir haben übrigens ab sofort auf unserer Internetseite die Chargennummern der Lieferungen aus den Betrieben aufgeführt, deren Produkte belastet sind. Aber generell muss sich jeder entscheiden, ob er Bio-Produkte mit einem gewissen Standard kauft oder eben nicht.

Wie konnte es passieren, dass Futtermittel mit Dioxin verschmutzt wurde?

Dioxine sind chemisch ähnlich aufgebaute Verbindungen, die aber unterschiedlich giftig sind. Bereits geringe Konzentrationen können schädlich sein.

Langzeitwirkung Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen der Haut, der Atemwege, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes festgestellt.

Remmel: Das müssen meine Kollegen in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen beantworten, da will ich mich nicht einmischen. Und das werden natürlich auch die Staatsanwälte genau prüfen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem Vorfall?

Remmel: Zunächst muss bei der Produktion von Tierfutter die Kontrollen deutlich verstärkt werden. Dazu müssen die Hersteller auch einen Eignungsnachweis erbringen – so, wie er in der Lebensmittelindustrie vorgeschrieben ist. Und es muss die Produktion von Fetten für die Tierfutterproduktion von der von Fetten für die industrielle Verwendung getrennt werden. Das war in diesem Fall offenkundig nicht gewährleistet.

Den direkten materiellen Schaden haben die Landwirte. Wie kann denen geholfen werden?

Remmel: Wir brauchen endlich eine verpflichtende Haftpflichtversicherung für die Tierfutterhersteller. Es kann nicht sein, dass die Landwirte als Betrogene in diesem Spiel die Zeche zahlen.

Welche mittelfristigen Folgen haben die Skandale?

Remmel: Sie lehren uns, dass wir uns von der industriellen Landwirtschaft ein Stück weit verabschieden und uns mehr der biologisch-nachhaltigen und regionalen Landwirtschaft zuwenden müssen. Das ist der Trend.

Haben Sie in diesen Tagen ein Ei gegessen?

Remmel: Ich bin kein großer Eier-Esser.

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