Direkt nach dem Anschlag kamen viele zum Breitscheidplatz und legten Kerzen, Beileidsbekundungen und Blumen nieder.
Direkt nach dem Anschlag kamen viele zum Breitscheidplatz und legten Kerzen, Beileidsbekundungen und Blumen nieder.

Direkt nach dem Anschlag kamen viele zum Breitscheidplatz und legten Kerzen, Beileidsbekundungen und Blumen nieder.

Britta Pedersen

Direkt nach dem Anschlag kamen viele zum Breitscheidplatz und legten Kerzen, Beileidsbekundungen und Blumen nieder.

Berlin. Fast einen Monat hat die Politik gebraucht, um offiziell der zwölf Toten und 50 Schwerverletzen des Anschlages auf den Berliner Weihnachtsmarkt zu gedenken. Am  Donnerstag gibt es im Berliner Landesparlament eine Schweigeminute; nächste Woche findet das Gleiche mit einer Ansprache von Bundestagspräsident Norbert Lammert im Bundestag statt. Eine richtige Gedenkfeier ist das freilich noch immer nicht.

Bei Angehörigen von Opfern ist der zurückhaltende Umgang mit diesem Ereignis bereits auf Unmut gestoßen. So zitierte der Berliner "Tagesspiegel" jüngst die Frau eines Schwerverletzten, die von einem "traurigen und unwürdigen" Verhalten sprach. Am Tag nach dem Anschlag waren zwar die Spitzen des Staates, darunter Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck, sofort am Tatort zusammengekommen, auch hatte abends in der Gedächtniskirche ein Gottesdienst stattgefunden.

Die Angehörigen der Opfer waren da aber noch mit anderem beschäftigt, die Identität vieler Toten war noch nicht einmal klar. Kein Vergleich etwa mit dem Gottesdienst in Haltern nach dem Absturz der Germanwings-Maschine oder der Gedenkveranstaltung für die Opfer der NSU-Morde, auf der die Kanzlerin redete. Eher befremdlich stieß bei den Angehörigen auf, dass der Präsident des Bonner Hauses der Geschichte stattdessen laut darüber nachdachte, den Tat-Lkw oder Teile davon für seine Ausstellung zu reservieren.

Dabei ist das Bedürfnis für ein Gedenken offenkundig, wie man täglich am Anschlagsort sehen kann. Wo der von dem Terroristen gelenkte Lastwagen in den Weihnachtsmarkt raste, gibt es große Inseln mit Blumen, Kerzen und persönlichen Grüßen. "Warum?" steht auf einer selbstgemalten Tafel, auf einer anderen "Love will win". Viele Berliner und Touristen verharren dort stumm. Auch die Gedächtniskirche hat dieses Bedürfnis festgestellt, wie ihr Gemeindevorstand Anselm Lange berichtet. "Das hat überhaupt nicht aufgehört". Lange erklärt sich die Unsicherheit der Behörden im Umgang mit dem Gedenken mit mangelnder Erfahrung. "Vielleicht waren alle ein bisschen überfordert".

Das scheint noch immer der Fall zu sein. Derzeit überlegt nur die Gemeinde, ob sie nicht doch noch eine zentrale Gedenkveranstaltung in der Gedächtniskirche abhält, wo auch das Kondolenzbuch ausliegt. Sie müsste, damit das Ereignis nicht zu weit weg ist, in den nächsten drei Wochen stattfinden, so Lange. Doch im Berliner Senat weiß man davon nichts. Dort verweist man darauf, dass ein Signal für eine zentrale Veranstaltung vom Bund kommen müsse. Wo man jedoch wiederum auf den Senat wartet. Das Bundespräsidialamt jedenfalls hat "keine Kenntnis von konkreten Plänen seitens Berlins", so die Auskunft. Eine Koordinierung findet offensichtlich nicht statt; keiner fühlt sich recht zuständig.

Weiter gediehen sind allerdings die Überlegungen, am Tatort eine Stele oder Tafel aufzustellen. Damit befasst sich der zuständige Stadtbezirk Charlottenburg. Klar ist, dass sie kommen soll. Vorbild könnte Paris sein, wo an den Orten der Anschläge vom 13. November 2015, darunter dem Musiktheater "Bataclan", Schilder mit den Namen der dort Getöteten aufgestellt wurden. Präsident Francois Hollande und Bürgermeisterin Anne Hidalgo persönlich enthüllten sie - freilich auch erst am ersten Jahrestag der Anschläge.

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