Gähnende Leere am Tunisair-Schalter im Düsseldorfer Flughafen.
Gähnende Leere am Tunisair-Schalter im Düsseldorfer Flughafen.

Gähnende Leere am Tunisair-Schalter im Düsseldorfer Flughafen.

Ein günstiges Angebot für eine Tunesien-Reise hängt am Reisemarkt im Düsseldorfer Flughafen.

Volksaufstand in Tunis: Präsident Ben Ali hat Neuwahlen angekündigt.

Der Protest von zehntausenden Demonstranten fand Gehör beim Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali. Die Regierung wird aufgelöst.

Tunesiens Staatschef Zine el Abidine Ben Ali.

Ausnahmezustand in Tunis: Mit erhobenen Händen bringen sich Passanten in Sicherheit.

Das britisch-deutsche Unternehmen Thomas Cook holt deutschen Urlauber aus Tunesien zurück.

Volkszorn in Tunis.

Der Protest von zehntausenden Demonstranten fand Gehör beim Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali. Die Regierung wird aufgelöst.

Das Volk klagt an: "Du hast deine eigenen Leute getötet, Ben Ali!"

Tunesien-Reisende nach ihrer Ankunft in Berlin-Tegel: Reiseveranstalter Thomas Cook bietet wegen der Unruhen seinen Gästen an, früher aus dem nordafrikanischen Land zurückzufliegen.

Reisende warten nach ihrer Rückkehr aus Monastir (Tunesien) am Serviceschalter des Reiseveranstalters Thomas Cook in Berlin-Tegel.

Der Protest geht weiter: In Tunis fordern die Demonstranten den sofortigen Rücktritt von Präsident Ben Ali.

dpa, Bild 1 von 13

Gähnende Leere am Tunisair-Schalter im Düsseldorfer Flughafen.

Tunis/Paris (dpa) - Chaos und Gewalt in Tunesien: Nach der Flucht von Machthaber Zine el Abidine Ben Ali ins saudische Exil wurden binnen 24 Stunden zwei Übergangspräsidenten ernannt. Immer wieder kommt es in dem beliebten Urlaubsland zu Plünderungen.

Bei einem Gefängnisbrand im Küstenort Monastir starben nach Angaben von Ärzten bis zu 60 Menschen. Auch in der Stadt Kasserine stand ein Gefängnis in Flammen. Am Samstag marschierte Militär im Stadtzentrum von Tunis auf, am Abend waren wieder Schüsse zu hören. Mehrere Reiseveranstalter holten am Wochenende tausende deutsche Urlauber aus dem Unruheland am Mittelmeer zurück.

Sie berichteten von Plünderungen und starker Verwüstung. Tankstellen und Polizeistationen seien zerstört worden. «Ich habe Angst gehabt», sagte Mbarka Khamassi aus dem Rems-Murr-Kreis, die in Tunesien Verwandte besucht hatte. Viele der Touristen waren von der überstürzten Abreise aber auch überrascht, weil sie von den blutigen Protesten und dem politischen Chaos in ihren Urlaubsanlagen nichts mitbekommen hatten.

In der tunesischen Hauptstadt Tunis ernannte der Verfassungsrat am Samstag mit Foued Mbazaa (77) den zweiten Übergangspräsidenten innerhalb von 24 Stunden, der umgehend vereidigt wurde. Zunächst hatte Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi die Amtsgeschäfte von Präsident Ben Ali übernommen, der das Land seit fast einem Vierteljahrhundert mit harter Hand regiert hatte. Ben Ali (74) hatte sich am Freitag nach massiven Protesten gegen sein Regime nach Saudi- Arabien abgesetzt.

Mbazaa soll nun Neuwahlen vorbereiten. Er forderte zudem Ghannouchi auf, einen Vorschlag für eine Regierung der nationalen Einheit zu machen. In sie sollen offensichtlich auch Oppositionskräfte eingebunden werden.

Die Bundesregierung rief Tunesien auf, eine Demokratie aufzubauen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bot dazu Deutschlands Hilfe an. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) appellierte an Mbazaa: «Gehen Sie den Weg in Richtung Demokratie, sorgen Sie für wirkliche Stabilität.»

Über der Hauptstadt Tunis stiegen am Samstag Rauchsäulen auf. Schon in der Nacht hatten Brandstifter trotz Ausgangssperre Feuer gelegt, unter anderem in einem Bahnhof. In der Nacht zum Sonntag waren erneut Schüsse zu hören.

Tunesische Journalisten vermuteten, dass die Armee gegen die Mitglieder der Leibgarde Ben Alis vorgeht. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst aber nicht. Die Situation sei immer noch völlig unübersichtlich, hieß es. Auslöser des Chaos waren Proteste gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die sich dann gegen das Regime von Ben Ali richteten.

Nach dem Gefängnisbrand in Monastir erhöhte sich die Zahl der Menschen, die seit Beginn der Unruhen in dem Mittelmeerland ums Leben gekommen sind, auf mehr als 130. Nach ersten Erkenntnissen hatten Häftlinge ihre Matratzen in Brand gesteckt. Die Flammen hätten dann schnell auf das gesamte Gebäude übergegriffen. Viele Häftlinge starben in den Flammen. Als andere zu fliehen versuchten, schossen Wärter auf sie. Bei dem Gefängnisbrand in der Stadt Kasserine gelang es zahlreichen Häftlingen nach Augenzeugenberichten, rechtzeitig vor Flammen oder Schüssen zu fliehen.

Der am Freitag zwischenzeitlich gesperrte Luftraum über dem Land wurde am Samstag wieder geöffnet. Reiseveranstalter wollten am Wochenende tausende Urlauber nach Deutschland zurückholen. Viele Touristen hatten zunächst festgesessen, nachdem Ben Ali vor seiner Flucht noch den Ausnahmezustand verhängt und den Luftraum gesperrt hatte. Am späten Freitagabend waren die ersten deutschen Touristen dann an den Flughäfen in Düsseldorf und Berlin angekommen. Vor Beginn der Rückholaktion waren nach Branchenangaben bis zu 8000 deutsche Urlauber in Tunesien.

Die Proteste hatten sich in den vergangenen Tagen immer mehr zum Aufstand gegen den Präsidenten entwickelt. Nach seiner Flucht aus dem Land traf Ben Ali am frühen Samstagmorgen in der saudischen Hafenstadt Dschidda ein. Man habe ihn und seine Familie im Königreich willkommen geheißen, meldete die saudische Nachrichtenagentur SPA. Ben Ali hatte nach französischen Medienberichten zuvor vergeblich versucht, in Paris landen zu dürfen. Die französische Regierung kündigte an, verdächtige Kapitalbewegungen zu stoppen, die tunesisches Vermögen betreffen. Damit soll verhindert werden, dass sich Mitglieder des gestürzten Präsidentenclans illegal bereichern.

Die Hintermänner der Plünderungen in Tunesien blieben vorerst im Dunkeln. Kriminelle Banden hätten von dem Chaos profitiert und Geschäfte geplündert, sagte der Oppositionspolitiker Mustafa Ben Jaafar dem französischen Sender France Info. Auch Verwaltungsgebäude seien angegriffen worden. Vor Reportermikrofonen äußerten mehrere Tunesier dagegen den Verdacht, dass Angehörige der Miliz das Machtvakuum nutzten und an Plünderungen beteiligt waren.

Das tunesische Fremdenverkehrsamt in Deutschland warnte vor Reisen in das nordafrikanische Land. «Es ist zu gefährlich», sagte der Sprecher des Amtes, Sami Krandel. «Zum Glück ist noch kein Tourist gestorben - bisher ist es eine rein nationale Angelegenheit. Ich glaube daran, dass eine neue Regierung Tunesien ein Stück Freiheit zurückbringen wird. Das wird das Image unseres Landes verbessern.»

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