Die Tage des Staatschefs scheinen gezählt. Zwei Millionen demonstrieren in Kairo. Bundesregierung warnt vor Reisen.

Kairo. Der friedliche Protest von Millionen Ägyptern bringt das Regime ins Wanken. Allein in Kairo demonstrierten am Dienstag bis zu zwei Millionen Menschen. Oppositionsführer Mohammed el Baradei stellte Staatschef Husni Mubarak ein Ultimatum: Er soll bis Freitag zurücktreten. Nach Medienberichten will Mubarak im September auf eine weitere Kandidatur verzichten.

Oppositionsführer El Baradei plant die Zeit nach Mubarak

El Baradei skizzierte bei Telefonaten mit den Botschaftern der USA und Großbritanniens Szenarien für eine Übergangszeit. Demnach könnte Vize-Präsident Omar Suleiman Übergangspräsident werden. Die Verfassung soll überarbeitet werden.

Derweil greifen die Unruhen immer stärker auf andere arabische Staaten über. In Algerien kündigten Gewerkschaften Streiks an. Auch in Syrien formiert sich Widerstand gegen politische und wirtschaftliche Missstände. In Jordanien entließ König Abdullah II. nach Protesten seinen Ministerpräsidenten und kündigte Reformen an.

Das Auswärtige Amt in Berlin verschärfte am Dienstag erneut seine Sicherheitshinweise und rät jetzt dringend von Reisen nach ganz Ägypten ab.

Bis Mitte Februar sind alle Reisen nach Ägypten abgesagt

Die großen deutschen Reiseveranstalter kündigten an, bis Mitte Februar keine Urlauber mehr nach Ägypten zu bringen. Es wird aber weiterhin nicht daran gedacht, Touristen auszufliegen. Wegen der unsicheren Lage verteuerten sich neben dem Öl auch fast alle anderen Rohstoffe.

Die ägyptische Hauptstadt ist das kulturelle Zentrum der Arabischen Welt.

Schätzungen reichen von 16 bis 26 Millionen Einwohner – damit ist Kairo eine der größten Städte der Welt.

Für Ägypten gehen die Vereinten Nationen derweil von deutlich mehr Todesopfern bei den Unruhen aus als bisher bekannt. Unbestätigte Berichte sprechen von bisher 300 Toten statt 150 und mehr als 3.000 Verletzten, wie die UN am Dienstag mitteilten.

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