Terroristen-Prozess: Richter Breidling verhängt eine Woche Ordnungshaft gegen Adem Yilmaz.

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Trotzig: Adem Yilmaz kassierte eine Woche Ordnungshaft, blieb aber weiter sitzen.

Trotzig: Adem Yilmaz kassierte eine Woche Ordnungshaft, blieb aber weiter sitzen.

dpa

Trotzig: Adem Yilmaz kassierte eine Woche Ordnungshaft, blieb aber weiter sitzen.

Düsseldorf. Im Terrorprozess gegen die sogenannte Sauerland-Gruppe hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht zunächst vergeblich versucht, die ersten Zeugen zu vernehmen. Acht Verwandte der Angeklagten Fritz Gelowicz und Adem Yilmaz verweigerten am Donnerstag die Aussage.

Geladen und angereist waren Ehefrau, Vater, Bruder, Schwiegermutter, Schwager und Schwägerin des mutmaßlichen islamistischen Rädelsführers Gelowicz - alle wohnen in Ulm. Die Stadt gilt als Hochburg der Islamistenszene. Außerdem waren Bruder und Schwester von Adem Yilmaz gekommen. Sie wohnen im hessischen Langen bei Frankfurt.

Zuvor hatte das Gericht eine Woche Ordnungshaft gegen den mutmaßlichen Terroristen Yilmaz (30) verhängt. Er hatte sich beim Prozessauftakt trotz Ermahnungen mehrfach geweigert aufzustehen, wenn die Richter den Saal betraten. Das Verhalten sei "provokativ" und bringe die "Missachtung des Gerichts zum Ausdruck", sagte der Vorsitzende Richter Ottmar Breidling. "Sie können sich überlegen, ob Sie das so fortsetzen", sagte er an Yilmaz gewandt. Die Ordnungshaft würde im Fall einer Verurteilung die Strafhaft für Yilmaz verlängern.

Als Yilmaz gestern erneut sitzenblieb und die Bundesanwaltschaft eine weitere Woche Ordnungshaft beantragte, rief der Angeklagte "Dankeschön". Breidling drohte daraufhin, Yilmaz von der Hauptverhandlung auszuschließen. Yilmaz quittierte das wiederum mit einem "Dankeschön". Die Bitte des Richters an die Verteidiger, sich "des Temperaments ihres Mandanten anzunehmen", stieß bei den Anwälten auf Ablehnung: "Unser Mandant ist erwachsen. Er weiß selbst, was er tut", sagte Anwältin Ricarda Lang.

Der Prozess gegen die Sauerland-Gruppe ist eines der größten Terrorverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Den vier Angeklagten wird die Vorbereitung verheerender Autobomben-Anschläge in deutschen Großstädten und die Zugehörigkeit zur Terrorgruppe Islamische Dschihad-Union zur Last gelegt.

In § 178 des Gerichtsverfassungsgesetzes heißt es: Wer sich in der Sitzung "einer Ungebühr schuldig macht", kann zu Ordnungsgeld bis zu 1000 Euro oder Ordnungshaft bis zu einer Woche herangezogen werden. "Ungebühr" wird als "erheblicher Angriff auf die Würde des Gerichts" verstanden.

Als ungebührlich wird oft auch die Weigerung geahndet, aufzustehen, wenn die Richter den Saal betreten. Dieser Gepflogenheit hatte sich Alt-Kommunarde Fritz Teufel in den 60er Jahren noch gebeugt. Mit der berühmt gewordenen Bemerkung: "Wenn’s der Wahrheitsfindung dient." Ordnungsgeld musste ein Zeuge bezahlen, der die Tür des Sitzungssaals zugeknallt hatte. Auch provokatives Zeitunglesen ist schon als Ungebühr sanktioniert worden.

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