Das Ifo-Institut erwartet, dass bis September 700 000 Stellen verloren gehen. Vor allem Männer werden betroffen sein.

Nürnberg. Deutschland steckt in der tiefsten Rezession seit der Wiedervereinigung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist von Oktober bis Dezember unerwartet deutlich um 2,1 Prozent eingebrochen, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte.

Nach Berechnungen des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung wird sich die Krise dramatisch verschärfen: Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, geht von bis zu 700 000 zusätzlichen Arbeitslosen bis September aus.

Weltwirtschaftskrise wird die Geschlechterrollen umwälzen

Verlierer der Rezession werden Männer sein. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind 82 Prozent der gefährdeten Jobs von ihnen besetzt. "Die männlich dominierten Stellen im produzierenden Gewerbe und in der Industrie bleiben an die Konjunktur gekoppelt", sagte BA-Sprecherin Ilona Mirtschin unserer Zeitung.

Dagegen arbeiteten Frauen vor allem in sozialen und Dienstleistungsberufen, die weitaus krisenfester seien. Zudem seien Frauen mittlerweile besser qualifiziert als Männer.

Bereits im vergangenen Jahr, als die Zahl der Beschäftigten noch stieg, vollzog sich eine Wende im Geschlechterverhältnis: Während die Männererwerbsquote im Januar 2009 gegenüber dem Vorjahresmonat fast stagnierte (plus 0,4 Prozent), schnellte die Quote der Frauen um 9,1 Prozent nach oben. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IDW) geht davon aus, dass bald mehr Frauen einer steuerpflichtigen Beschäftigung nachgehen werden als Männer - 2008 lag die Frauenerwerbsquote noch bei knapp 70 Prozent, die der Männer bei 81 Prozent.

US-Ökonomen erwarten, dass die heftigste Weltwirtschaftskrise seit den 1930er Jahren die Rollenverteilung in den westlichen Industriestaaten umwälzen wird. Durch das Verschwinden traditioneller Männerberufe müssten Frauen immer häufiger die Rolle der Familienernährerin übernehmen, während sie aber weiterhin schlechter bezahlt würden, sagte Anna Soellner vom Center for American Progress in Washington.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer