Die Angeklagten sollen Anschläge in ganz Deutschland geplant haben. Ab Mittwoch stehen sie vor Gericht.

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Die drei Angeklagten bei ihrer Festnahme im September 2007 im Sauerland-Dörfchen Oberschledorn. Beim Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wird auch Anklage gegen einen vierten mutmaßlichen Mittäter erhoben: Er soll die Zünder für die geplanten Bomben beschafft haben.

Die drei Angeklagten bei ihrer Festnahme im September 2007 im Sauerland-Dörfchen Oberschledorn. Beim Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wird auch Anklage gegen einen vierten mutmaßlichen Mittäter erhoben: Er soll die Zünder für die geplanten Bomben beschafft haben.

dpa

Die drei Angeklagten bei ihrer Festnahme im September 2007 im Sauerland-Dörfchen Oberschledorn. Beim Prozess vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wird auch Anklage gegen einen vierten mutmaßlichen Mittäter erhoben: Er soll die Zünder für die geplanten Bomben beschafft haben.

Düsseldorf. Sie sollen Anschläge unter anderem in Düsseldorf, Dortmund und Köln erwogen haben. Auch mögliche Tatorte in Frankfurt, Stuttgart, München und in Ramstein (US-Luftwaffenstützpunkt) hatten sie nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft in Betracht gezogen: Die beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz (30) und Daniel Schneider (23) sowie der Türke Adem Yilmaz (30) wollten nach Überzeugung der Ankläger mit selbst gebauten Bomben "Sprengstoffanschläge insbesondere gegen amerikanische Staatsbürger und US-Einrichtungen mit einer möglichst hohen Opferzahl" begehen - im Auftrag der Terrorgruppe "Islamische Jihad Union" (IJU).

Höhere Sprengkraft als bei den Anschlägen in London und Madrid

Ab Mittwoch müssen sich die drei deshalb im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG) verantworten. Mit auf der Anklagebank wird der Türke Attila Selek sitzen, der die Zünder für die geplanten Bomben beschafft haben soll.

Für den Bau der Bomben hatten die Angeklagten nach Erkenntnissen der Ermittler zwölf Fässer mit insgesamt 730 Kilo Wasserstoffperoxid-Lösung beschafft. "Die (...) Menge hätte eine explosive Mischung von 550 Kilo ergeben, vergleichbar mit der Sprengkraft von etwa 410 Kilo TNT", hatte seinerzeit einSprecher der Bundesanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung erklärt - eine Sprengkraft, die wesentlich größer ist als jene der verheerenden Terror-Anschläge von Madrid und London.

Die Fahnder waren Anfang 2007 auf das Quartett aufmerksam geworden, als es US-Militäranlagen in Hanau ausspionierte. Daraufhin hatten in einer der größten Anti-Terror-Maßnahmen der deutschen Geschichte mehr als 300 Polizeibeamte fast ein halbes Jahr lang jeden Schritt der Verdächtigen überwacht. Außerdem gelang es der Polizei, das von den mutmaßlichen Terroristen gelagerte Wasserstoffperoxid unbemerkt gegen eine ungefährliche Lösung auszutauschen. Am 4. September 2007 schließlich wurden Gelowicz, Schneider und Yilmaz im Sauerland-Örtchen Oberschledorn festgenommen, Attila Selek wurde kurz darauf in der Türkei verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert.

Der Staatsschutzsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts mit dem Vorsitzenden Richter Ottmar Breidling muss nun entscheiden, ob die Anklage gegen das Quartett zutrifft: Bildung einer terroristischen Vereinigung (§ 129a StGB) sowie Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens (§310 StGB).

Die mutmaßlichen Terroristen der Sauerland-Gruppe sind nach "Spiegel"-Informationen von serbischen Islamisten unterstützt worden. Ein bislang noch nicht gefasster Verdächtiger habe "sechs Zünder aus dem Kosovo und 20 Zünder aus der Türkei nach Deutschland geschmuggelt", zitierte das Magazin aus einem Sachstandsbericht des Bundeskriminalamtes. Dabei habe dem Türken ein Netzwerk "vorwiegend serbischer Islamisten aus Ludwigshafen und Bad Harzburg" geholfen. Insgesamt hätten an der Aktion rund ein Dutzend Helfer mitgewirkt.

Die Bundesanwaltschaft bestätigte Ermittlungen. "Mit Rücksicht auf das laufende Verfahren können wir aber keine weiteren Angaben machen", so ein Sprecher.

Die Prozess-Unterlagen umfassen mehr als 530 Aktenordner, insgesamt sind 219 Zeugen und Sachverständige geladen. Der Senat hat zunächst 40 Verhandlungstage anberaumt, doch gehen Justiz-Experten davon aus, dass sich der Prozess bis zu zwei Jahre hinziehen könnte.

In einem (durchaus üblichen) Vorgespräch zwischen Senat, Verteidigern und Vertretern der Bundesanwaltschaft am 18. März, zeichnete sich bereits ab, dass die Angeklagten sich nicht zu den Vorwürfen äußern werden. Darauf deutet insbesondere die Tatsache hin, dass der Senat bereits für den zweiten Verhandlungstag 21 Zeugen geladen hat - Angehörige und Personen aus dem engeren Umfeld der Angeklagten.

Bereits am Mittwoch, am ersten Verhandlungstag, wird sich im übrigen zeigen, in welchem Klima der Prozess verlaufen wird - indem die Angeklagten nämlich entweder mit oder ohne die muslim-typischen gehäkelten Kopfbedeckungen erscheinen werden. Der Senat hat nämlich bereits erkennen lassen, dass er das Tragen dieser Kopfbedeckungen im Gerichtssaal nicht gestatten wird: Nachforschungen des Gerichts haben ergeben, dass diese Kopfbedeckungen nicht aus religiösen Gründen vorgeschrieben sind.

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