Ein türkischstämmiger Österreicher will das Image seiner Landsleute als Prügelknaben der Integration bekämpfen – mit Provokation.

Inan Türkmen
Inan Türkmen will sein Buch, nicht als Drohung verstanden wissen.

Inan Türkmen will sein Buch, nicht als Drohung verstanden wissen.

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Inan Türkmen will sein Buch, nicht als Drohung verstanden wissen.

Düsseldorf. Eigentlich ist Inan Türkmen wütend. Wütend über das Image der Türken als Prügelknaben der Integration, wütend über Fremdenfeindlichkeit, wütend über immer wiederkehrende Diskriminierungen im alltäglichen Leben.

„Wir sind das Feinbild Nummer eins“, meint Türkmen, „wegen der Herkunft aus der Türkei, und dann auch noch Moslems, negativer geht es eigentlich gar nicht mehr.“

Seine Wut hat sich der 24-Jährige türkischstämmige Österreicher jetzt von der Seele geschrieben – in dem ganz bewusst provozierenden Buch „Wir kommen“. Mit „Wir“ sind die Türken gemeint. Genauer: die neue Generation von jungen Türken in Europa.

Und diese junge Generation und deren Fähigkeiten beschreibt der Sohn türkischer Einwanderer, der in Linz aufgewachsen ist und in Wien Betriebswirtschaft studiert, so: „Wir sind mehr. Wir sind jünger. Wir sind hungriger. Unsere Wirtschaft wächst schneller. Wir sind stärker.“

Die für Türkmen zwingend logische Folge: „Egal, ob ihr die Türkei mögt oder nicht, ob ihr uns türkische Migranten integriert, oder nicht, ob ihr die Türkei in der EU haben wollt, oder nicht: Der türkische Einfluss in Europa wird steigen“, schreibt Türkmen.

Inan Türkmen will sein Buch keinesfalls als Drohung oder gar Kampfansage verstanden wissen. Die Form der Provokation habe er gewählt, um damit auch auf Thilo Sarrazin und dessen umstrittene Thesen zu antworten, sagt Türkmen in einem Interview.

Inan Türkmen: „Wir kommen“, Verlag edition a, 96 Seiten, 14,90 Euro. ISBN 978-3-99001-031-0

Die türkische Kultur werde die mitteleuropäische immer mehr beeinflussen: „Es wird nicht wehtun. Weder der Kölner Dom noch der Stephansdom werden einem Minarett weichen. Ihr werdet einen Teil von uns annehmen und wir einen von euch.“

Deutsche seien als älteste Europäer durchschnittlich 44 Jahre alt, Österreicher im Schnitt 42. In der Türkei liege das Durchschnittsalter bei 29.

Türkmen: „Die Wahrheit ist, dass ihr ohne unsere demografische Hilfe allmählich auf eine Bevölkerung mit sehr wenigen und sehr alten Menschen zusammenschrumpfen werdet.“

Die Türkei zeichnet Türkmen im Gegensatz zu Deutschland und Österreich als Land auf der Überholspur. Dort gebe es Wirtschaftswachstum und adäquate Arbeitsplätze.

„Ein junger Staat wie die Türkei baut Technologiezentren, ein alter, so wie Deutschland oder Österreich, Geriatriezentren.“

Inan Türkmen in „Wir kommen“.

Türkmen: „In Istanbul redest du mit dem Manager eines Restaurants, und der ist 26. Du gehst in eine Boutique und keiner der Verkäufer ist älter als 30.“ Und von wegen angeblicher Frauen-Unterdrückung: „Der Frauenanteil im türkischen Topmanagement ist fast sechs Mal höher als der EU-Durchschnitt.“ Für Türkmen lässt das alles nur einen Schluss zu: „Die Welt gehört immer denen, die wachsen.“

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