Die Atommacht lässt zu, dass im Swat-Tal die Scharia eingeführt wird – ein grandioser Sieg für die Fundamentalisten.

Eine Delegation des Taliban-Anführers Maulana Fazlullah reiste in die Provinzhauptstadt Peshavar, um das umstrittene Abkommen zu unterzeichnen.
Eine Delegation des Taliban-Anführers Maulana Fazlullah reiste in die Provinzhauptstadt Peshavar, um das umstrittene Abkommen zu unterzeichnen.

Eine Delegation des Taliban-Anführers Maulana Fazlullah reiste in die Provinzhauptstadt Peshavar, um das umstrittene Abkommen zu unterzeichnen.

Reuters

Eine Delegation des Taliban-Anführers Maulana Fazlullah reiste in die Provinzhauptstadt Peshavar, um das umstrittene Abkommen zu unterzeichnen.

Islamabad. Zahlreiche Menschen jubelten am Montag auf den Straßen im nordpakistanischen Swat-Tal. Der Grund für die seltenen Freudenausbrüche: Die Regierung der Nordwest-Grenzprovinz hat sich den Taliban gebeugt und die Errichtung von Scharia-Gerichten angekündigt. "Jetzt wird der Frieden in die Region zurückkehren", meinte ein Anwohner. Doch die Hoffnung ist trügerisch. De facto ist die Ankündigung der Provinzregierung, das islamische Recht umzusetzen, das Eingeständnis ihrer Niederlage gegen Taliban-Anführer Maulana Fazlullah.

Erst am Sonntag hatte der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari in einem Interview unmissverständlich vor einer Niederlage im Kampf gegen die Taliban gewarnt. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Taliban versuchen, in Pakistan die Macht zu übernehmen", sagte er. "Deshalb geht es um das Überleben Pakistans."

Und der neue US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, betonte am Montag, Indien, die USA und Pakistan stünden vor einem gemeinsamen "Feind, der eine direkte Bedrohung für unsere Führungen, Völker und Hauptstädte darstellt". Abkommen wie das von Swat dürften Holbrooke kaum als Erfolgsrezept vorgeschwebt haben.

Selbst die Städte der Atommacht sind vor den Taliban nicht sicher

Über das Swat-Tal und die Stammesgebiete, von denen aus die Taliban Ziele in Afghanistan angreifen, hat die pakistanische Regierung schon lange die Kontrolle verloren. Doch selbst die Städte der Atommacht sind nicht mehr vor den Taliban sicher. Mit dem Anschlag auf das Marriott-Hotel inmitten der Hauptstadt Islamabad, der mehr als 50 Menschen das Leben kostete, bewiesen die Aufständischen im September ihre Schlagkraft.

Im größten Teil des malerischen Swat-Tals, das nur 160 Kilometer nordwestlich von Islamabad liegt, haben Fazlullahs Truppen ein Schreckensregime errichtet, das fatal an die frühere Gewaltherrschaft der Taliban in Afghanistan erinnert.

Angebliche Spione, Taliban-Gegner oder Sünder werden gehängt oder geköpft. Unterricht für Mädchen haben die Taliban untersagt. Besitzer von CD- und DVD-Läden mussten schließen, oder die Länden wurden in die Luft gesprengt. Friseure dürfen Männer nicht mehr rasieren. Im Hochgebirge werden Terroristen ungestört ausgebildet.

Diese Zustände müsste die säkulare Awami National Party, die die Regierung in der Nordwest-Grenzprovinz stellt, als Schlag ins Gesicht empfinden. Doch das Abkommen sieht nicht nur Scharia-Gerichte, sondern auch das Ende der Militäroperationen gegen die Taliban in Swat vor. Hilflos appellierte Ministerpräsident Amir Haidar Khan Hoti an die Aufständischen, nun der Gewalt abzuschwören. "Sie sollten jetzt ihre Rolle dabei spielen, in Swat wieder Frieden herzustellen." Ein Blick in die jüngere Geschichte Pakistans zeigt aber: Bislang sind sämtliche Friedensverträge mit den Aufständischen gescheitert.

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