Präses Nikolaus Schneider hat Verständnis für Margot Käßmann. Eine Nachfolge im EKD-Rat schließt er nicht aus.

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Präses Nikolaus Schneider ist mit Margot Käßmann solidarisch.

Präses Nikolaus Schneider ist mit Margot Käßmann solidarisch.

Schaller

Präses Nikolaus Schneider ist mit Margot Käßmann solidarisch.

Präses Schneider, ist der Rücktritt von Frau Käßmann richtig?

Schneider: Es ist Margot Käßmanns Entscheidung, und insofern ist diese für sie richtig.

Haben Sie ihr dazu geraten?

Schneider: Nein. Ich wollte - wie die Mehrheit des Rates der EKD - mit ihr weiterarbeiten. Und wir hätten diese schwierige Zeit auch gemeinsam getragen, schließlich sind wir eine Haftungsgemeinschaft.

Einige Politiker und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind schon angetrunken am Steuer erwischt worden. Warum erregt der Fall so hohes Interesse?

Schneider: Sie ist die Vertreterin einer Kirche, die für einen moralischen und ethischen Anspruch steht. Es nötigt mir Respekt ab, dass Margot Käßmann die Anforderungen, die sie an andere stellt, auch selbst erfüllt und lebt.

Was bedeutet das für den progressiven Flügel in der evangelischen Kirche? Sie persönlich stehen ja auch für diese Richtung.

Schneider: Das ist eine Frage, die ich mir gar nicht stelle. Wichtiger ist: Die Gradlinigkeit und Klarheit Margot Käßmanns in ihren theologischen, sozial- und gesellschaftspolitischen Positionen werden der EKD insgesamt fehlen. Ihr Rücktritt ist in vielerlei Hinsicht ein schwerer Verlust.

Wäre das Maß der öffentlichen Empörung auch so groß gewesen, wenn es einen Bischof, also einen Mann, getroffen hätte?

Nikolas Schneider (62) ist seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, ist seit Oktober 2009 Vize-Vorsitzender des Rates der EKD und leitet ihn nach dem Rücktritt von Margot Käßmann kommissarisch. Der gebürtige Duisburger hat lange Jahre als Pfarrer in der Region gewirkt.

In der EKD sind seit 1945 mittlerweile 22 lutherische, unierte und reformierte Kirchen mit 25 Millionen Protestanten in ganz Deutschland zusammengeschlossen. Geleitet wird die Organisation vom Rat der EKD. Am 27.Oktober 2009 wurde Margot Käßmann als erste Frau zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt.

"Ich bedauere den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, mit der ich gerade erst die Zusammenarbeit in gemeinsamen Anliegen beginnen konnte. Ich kenne Frau Käßmann seit langem als einen Menschen, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, respektiere gerade deshalb ihre Entscheidung und kann diesen Schritt verstehen. Ich wünsche Ihr in dieser schwierigen Stunde Gottes Segen." Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, zum Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann

Schneider: Darüber zu spekulieren, ist müßig. Ich wünsche niemandem - ob Mann oder Frau -, in eine solche Situation zu kommen.

Stehen Sie als Nachfolger für Margot Käßmann im Amt des EKD-Vorsitzenden zur Verfügung?

Schneider: Ich bin als stellvertretender Ratsvorsitzender gewählt, und als solcher nehme ich nach ihrem Rücktritt entsprechende Aufgaben wahr. Das ist es, was jetzt wichtig ist. Über alles andere werden wir zur rechten Zeit beraten.

Die gemeinsame Erklärung von  Synodenpräses Katrin Göring-Eckardt und Präses Nikolaus Schneider zum Rücktritt von Bischöfin Margot Käßmann können Sie hier nachlesen.

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