Nach dem Anschlag in Ägypten befürchten die Mitglieder der Gemeinden in Deutschland auch hierzulande Übergriffe.

Terrorgefahr
Vater Pigol Bassili von der koptischen Gemeinde in Frankfurt liest in seiner Kirche in einer liturgischen Schrift.

Vater Pigol Bassili von der koptischen Gemeinde in Frankfurt liest in seiner Kirche in einer liturgischen Schrift.

dpa

Vater Pigol Bassili von der koptischen Gemeinde in Frankfurt liest in seiner Kirche in einer liturgischen Schrift.

Berlin. Freitag ist der kritische Tag. Wenn die koptischen Christen auch in Deutschland am kommenden Freitag ihr Weihnachtsfest begehen, werden die Mitglieder der Gemeinden auf eines verzichten: auf Feierlichkeiten. „Höchstens die Liturgie“ werde es geben, sagt Bischof Anba Damian, Oberhaupt der rund 6.000 koptischen Christen in Deutschland.

Es ist eine Reaktion auf den Terroranschlag auf einen Gottesdienst von Glaubensbrüdern in Ägypten in der Silvesternacht mit mindestens 21 Toten. Doch zugleich herrscht allerhöchste Wachsamkeit. Denn nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA) droht auch den koptischen Gemeinden in Deutschland ein Anschlag.

Am Freitag feiern die Kopten ihr Weihnachtsfest

Besonders im Visier haben die Ermittler dabei die Nacht zum koptischen Weihnachtsfest am 7. Januar (der koptische Kalender basiert auf dem alten ägyptischen Kalender). Das BKA hatte bereits an Heiligabend vor Attentaten auf Kopten in Deutschland gewarnt. Die Bundesfahnder hatten im Internet eine „allgemeine Anschlagdrohung“ gegen die koptische Kirche auch in Deutschland aufgespürt und die zuständigen Behörden informiert.

Bischof Damian hat von einem Plan berichtet, demzufolge seine Glaubensbrüder in der Nacht zum 7. Januar Ziel eines Terrorschlages werden könnten. Kripo-Beamte hätten die Priester in vier Gemeinden umgehend informiert.

Entsprechend alarmiert sind Polizei und Glaubensgemeinden, die es unter anderem in Frankfurt, München, Hannover und Bitburg gibt. So steht die koptische Gemeinde in Lehrte bei Hannover mittlerweile unter Polizeischutz. Besonders zum Datum der Weihnachtsfeier würden Beamte rund um die Gemeinde „verstärkt Präsenz zeigen“, kündigte eine Sprecherin an.

Bischof Damian: „Man möchte uns in Angst versetzen“

Kirche Der Überlieferung nach gründete der Evangelist Markus die Kirche in Ägypten vor 2.000 Jahren. Die eigentliche koptisch-orthodoxe Kirche entstand nach dem Konzil von Chalkedon im Jahre 451. Weltweit wird die Zahl der Kopten auf 10 bis 15 Millionen geschätzt.

Kopten in Deutschland In Deutschland leben laut Bundesinnenministerium rund 6.000 Kopten, nach einer Zählung der Kirche sind es 10.000. Die älteste und größte Gemeinde befindet sich in Frankfurt, die zweitgrößte in Düsseldorf. Weitere Gemeinden gibt es in Berlin, Hamburg, München, Hannover, Stuttgart, Bremen, Nürnberg und Bitburg.

Oberhaupt Nach Angaben des Düsseldorfer Priesters Boulos Shehata gibt es außerdem zwei koptische Klöster in Kröffelbach (Hessen) und Höxter (Nordrhein-Westfalen), wo auch Bischof Anba Damian lebt. Damian ist oberster Repräsentant der koptischen Kirche in Deutschland. Das weltweite Oberhaupt der Kopten ist seit 1971 Papst Schenuda III., Patriarch von Alexandria.

Der höchste Repräsentant der Kopten in Deutschland, Bischof Damian, betonte im Deutschlandfunk, den potenziellen Attentätern gehe es bei möglichen Anschlägen nicht um Gebäude, sondern darum, Personen zu schädigen.

„Man möchte uns einfach in Angst versetzen. Es herrscht eine grausame religiöse Halluzination in Ägypten, und diese Welle von Hass beobachten wir schon seit Monaten“, sagte der Bischof. In Ägypten verließen Menschenmassen nach dem Freitagsgebet die Moscheen „voller Hass und Wut und beschimpfen unseren Papst und drohen uns“.

Glaubensbrüder fordern mehr Rückhalt bei deutscher Politik ein

Damian zeigte sich enttäuscht über den Rückhalt der Kopten durch die deutsche Politik. Zwar agiere das Bundesinnenministerium als Sicherheitsbehörde „sehr korrekt, sehr sorgfältig“. Allerdings seien die Erklärungen der Politiker „sehr blass, sehr oberflächlich und sehr enttäuschend“. Der Bischof forderte, es müsse „ernsthaft endlich mal geredet werden“. Blumigen Statements müssten Taten folgen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer