FDP-Chef Rösler geht gelassen mit Schmähungen wegen seiner Herkunft um. Seinen Parteifreund Hahn nimmt er in Schutz.

rassismusdebatte
FDP-Chef Philipp Rösler kam mit neun Monaten als Findelkind aus Vietnam nach Deutschland.

FDP-Chef Philipp Rösler kam mit neun Monaten als Findelkind aus Vietnam nach Deutschland.

dpa

FDP-Chef Philipp Rösler kam mit neun Monaten als Findelkind aus Vietnam nach Deutschland.

Berlin. Für die rechtsextreme Szene ist Philipp Rösler ganz klar „kein Deutscher“. In einschlägigen Internetforen wird er als „Fidschi“ oder, in Verballhornung seines Vornamens, auch als „Fipsi“ verunglimpft. Bisher ist der FDP-Vorsitzende dagegen nicht vorgegangen. Und er regt sich jetzt auch nicht über den hessischen FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn auf, der öffentlich gefragt hat, „ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren“.

FDP-Politiker berichten über rassistische Äußerungen

Rösler glaubt, dass Hahn allenfalls ungeschickt formuliert hat. „Jörg-Uwe Hahn ist über jeden Verdacht des Rassismus erhaben“, betonte der Wirtschaftsminister am Freitag. Aber nun ist das Thema öffentlich. Parteifreunde wie der Chef der Jungen Liberalen, Lasse Becker, berichten, dass sie häufig rassistische Äußerungen gegen den Vizekanzler hören. Becker zitiert Bürger: „Ich würde euch ja wählen, aber dafür müsste erst einmal der Chinese weg.“ Auch Rösler weiß, dass es „Schlitzauge-Sprüche“ gibt, wie er selbst es nennt. Wenn man mit ihm darüber redet, spürt man ein gewisses Erstaunen. Er selbst empfindet sich nämlich gar nicht als asiatisch. Sein Adoptivvater, erzählte er einmal, musste ihn als Kind vor den Spiegel stellen, um ihm die Sache klarzumachen.

Heimat ist für Rösler das niedersächsische Bückeburg

Mit neun Monaten kam Rösler als vietnamesisches Findelkind nach Deutschland. Heimat, das ist für ihn Niedersachsen, genauer: Bückeburg. Schützenfest, katholische Kirche, Bundeswehr, FDP-Landeschef, Bundesminister, Vizekanzler. „Viel mehr deutsch kann man nicht sein“, sagt er.

Rösler absolvierte das Ostfriesenabitur: „Teetrinken, Krabbenpulen, Padstockspringen und Kuhmelken.“ Seine Töchter heißen Grietje und Gesche. In der Schule wurde er nie angepöbelt. Rösler ironisch: „Bei Asiaten denken immer alle, man kann Karate.“ Ihn hat amüsiert, als eine niedersächsische Zeitung einmal ein Foto veröffentlichte, das ihn zusammen mit einer dunkelhaarigen, ebenfalls asienstämmigen FDP-Politikerin zeigte: „Herr Rösler mit seiner Frau“, stand darunter. Die heißt aber Wiebke und hat blonde Haare.

Rösler hält sein Äußeres auf andere Art für ein Problem. Denn zusätzlich zu seinem asiatischen Aussehen kommt noch das jugendliche Alter von ihm selbst (39 Jahre) und der anderen FDP-Promis wie Daniel Bahr (36) und Christian Lindner (34) hinzu. Tatsächlich hört man im politischen Betrieb in Berlin viel öfter das Wort „Kindergarten“, wenn über die Führung der FDP die Rede ist, als die Bezeichnung „Chinese“.

Deshalb wollte Rösler schon immer, dass auch andere „Typen“ die Partei nach außen repräsentieren, gestandene Politiker wie Rainer Brüderle (67) oder eben auch Jörg-Uwe Hahn (56). Nun hat Brüderle eine Sexismusdebatte am Hals, und Hahn steht unter Rassismus-Verdacht.

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