Mubarak vor Gericht: Auf dem Krankenbett weist der Ex-Staatschef alle Vorwürfe zurück.

ägypten
Körperlich schwach, aber kämpferisch: Mubarak am Mittwoch während der Verhandlung.

Körperlich schwach, aber kämpferisch: Mubarak am Mittwoch während der Verhandlung.

dpa

Körperlich schwach, aber kämpferisch: Mubarak am Mittwoch während der Verhandlung.

Kairo. Am 23. Januar hielt Ägyptens Präsident Husni Mubarak in der nach ihm selbst benannten Polizeiakademie in Kairo eine schwülstige Rede zum „Tag des Polizisten“. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt. Zwei Tage später brachen Massenproteste aus, die ihn am 11. Februar aus dem Amt fegten.

Am Mittwoch fand sich Mubarak im selben Auditorium derselben Polizeischule wieder. Jetzt heißt sie Nationale Polizeiakademie. Sie wurde zum improvisierten Gericht für Ägyptens Jahrhundert-Prozess umfunktioniert. Doch nun ist Mubarak nicht mehr der von Claqueuren umringte Festredner, sondern der erste Angeklagte im Eisenkäfig, der ägyptischen Entsprechung der klassischen Anklagebank.

„Ich bestreite alle Anklagepunkte. Ich habe derartige Verbrechen nicht begangen.“

Husni Mubarak

Unnahbar, unantastbar, niemandem verantwortlich herrschte er fast 30 Jahre lang autoritär über sein Land – wie ein „Pharao“. Altersschwach, gebrechlich, leidend wurde er nun auf seinem Krankenbett in den Verhandlungssaal gerollt. Mit mürrischem Blick zeigte ihn die Live-Kamera des Staatsfernsehens hinter dem Maschendraht des Käfigs.

Doch dann war auch zu sehen, wie Mubarak aufmerksam den Tiraden der Anwälte lauschte. Wie er sich kurz mit seinen mitangeklagten Söhnen Gamal und Alaa unterhielt. Auch als Staatsanwalt Mustafa Suleiman die Anklage verlas, horchte er auf. Der damalige Staatschef habe sich mit anderen dazu verschworen, Demonstranten zu attackieren und zu töten, die seinen Rücktritt verlangten.

Vor dem Gerichtsgebäude prügelten sich Anhänger und Gegner Mubaraks

Er und der mitangeklagte Ex-Innenminister Habib al-Adli hätten beabsichtigt, „das Leben gewisser Demonstranten auszulöschen, um an der Macht bleiben zu können“. Das sind Vorwürfe, die die Todesstrafe nach sich ziehen könnten. „Was sagen Sie dazu?“, fragte ihn Richter Ahmed Rifaat. Husni Mubaraks Antwort kam fest und wie aus der Pistole geschossen: „Ich bestreite alle Anklagepunkte. Ich habe derartige Verbrechen nicht begangen.“

Tötung und versuchter Mord von Protestteilnehmern nach dem 25. Januar dieses Jahres. Die Sicherheitskräfte töteten bei den Massenprotesten gegen Mubarak nach offiziellen Angaben 846 Menschen.

 

Erteilung des Schießbefehls an die Polizei; Anstiftung dazu, Demonstranten mit Fahrzeugen zu überfahren.

 

Persönlicher Erwerb von teuren Immobilien im noblen Sinai-Bad Scharm el Scheich zu ungewöhnlich niedrigen Preisen.

 

Dubiose Geschäftspraktiken, um dem Verkäufer der unterpreisigen Immobilien wertvolles Bauland auf dem Sinai zuzuschieben.

 

illegale profite Manipulation des Gashandels mit Israel, was dem Verkäufer der Scharm-el-Scheich-Immobilien illegale Profite von zwei Milliarden Dollar bescherte.

Vor dem Gerichtsgebäude gerieten Demonstranten für mehr Demokratie und Mubarak-Fans aneinander. Bei Schlägereien mit Stöcken und Ledergürteln wurden mehr als 60 Menschen zum Teil schwer verletzt.

 

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