Auch deutsche Politiker lehnen die Rehabilitierung eines Holocaust-Leugners ab. Genscher fordert eine Klarstellung.

Papst Benedikt XVI. befindet sich in der größten Krise seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005.
Papst Benedikt XVI. befindet sich in der größten Krise seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005.

Papst Benedikt XVI. befindet sich in der größten Krise seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005.

AFP

Papst Benedikt XVI. befindet sich in der größten Krise seit seinem Amtsantritt im Jahr 2005.

Rom/Hamburg. Papst Benedikt XVI. gerät wegen der Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners Richard Williamson in die katholische Kirche zunehmend unter Druck. Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen sprach am Montag von einer "schlechten Entscheidung" des Vatikans.

Das Verhältnis zu den Juden und zur Ökumene habe dadurch "faktisch Schaden erlitten". "Dass in Hinblick auf Williamson nachgearbeitet werden muss, halte ich für sicher." Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, nahm den Papst dagegen in Schutz. Dessen Aufgabe sei es, für die Einheit der Kirche zu sorgen. Das habe er getan, "nicht mehr und nicht weniger".

Zuvor hatte sich der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, vom Beschluss des Vatikans distanziert und vor einem Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche gewarnt. Der künftige Bischof von Münster, Felix Genn, sagte, den Umgang mit Williamson sollten die Verantwortlichen in Rom noch einmal überdenken.

Grünen-Chefin Roth fordert Rücknahme der Entscheidung

Auch in der deutschen Politik stößt die Entscheidung des Papstes auf Kritik. Grünen-Chefin Claudia Roth forderte den Papst auf, die Wiederaufnahme von Williamson zurückzunehmen. Es sei "ein verheerendes Signal, wenn ein deutscher Papst die Entscheidung jetzt nicht zurücknimmt". Ex-Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) rief Benedikt zu einer Klarstellung auf.

Die Entscheidung zu Williamson war auf Empörung gestoßen, weil dieser die Tötung von sechs Millionen Juden durch die Nazis sowie die Existenz der Gaskammern geleugnet hatte. Kritisiert wurde ferner die Entscheidung des Papstes vom Wochenende, den ultrakonservativen österreichischen Priester Gerhard Wagner zum Weihbischof von Linz zu ernennen.

Absetzung Der Papst kann nicht seines Amtes enthoben werden. Entweder er stirbt, oder er tritt von sich aus zurück.

Rücktritt Der Papst muss nicht, aber er kann auf sein Amt verzichten. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass dieser Entschluss aus freiem Willen erfolgt und eindeutig kundgetan wird.

Unfehlbarkeit Der Papst ist immer dann vor einem Irrtum bewahrt, wenn er "ex cathedra" über Fragen des Glaubens und der Sitten urteilt. "Ex cathedra" heißt, dass er diese Vollmacht als oberster Lehrer der Kirche ausdrücklich in Anspruch nimmt und letztgültig und abschließend entscheiden will. Personalentscheidungen wie die Rücknahme der Exkommunikation der erzkonservativen Bischöfe zählen nicht dazu.

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