Flugzeug für Waffentransport defekt. Peinliche Verzögerung für die deutsche Lieferung.

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Mit einem Flugzeug der Niederländischen Luftwaffe sollte das Material in den Irak gebracht werden.

Mit einem Flugzeug der Niederländischen Luftwaffe sollte das Material in den Irak gebracht werden.

dpa

Mit einem Flugzeug der Niederländischen Luftwaffe sollte das Material in den Irak gebracht werden.

Leipzig. Eigentlich hat die Bundeswehr ihre erste Waffenlieferung in den Nordirak gut geplant. Fest auf Paletten verzurrt, stehen die Kisten mit Panzerfäusten, Gewehren und Munition am Mittwochvormittag neben der holländischen Transportmaschine auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Noch ein paar Fotos für die versammelte Presse, und schon sollen die Waffen für die kurdischen Kämpfer auf die Reise gehen. Doch dann macht sich zerknirschte Stimmung breit. Die graue McDonnell Douglas KDC-10 „Prins Bernhard“ der Koninklijke Luchtmacht sei defekt, informiert Major Robert Habermann. Es ist zunächst völlig unklar, wann die Maschine abheben kann.

50 Panzerfäuste mit Munition, 520 G3-Gewehre und 20 Maschinengewehre will die Bundeswehr über Bagdad ins nordirakische Kurdengebiet bringen, außerdem 4000 Schutzbrillen und Sanitätsausstattung. Der Transport mit der Maschine der niederländischen Luftwaffe habe sich angeboten, weil darin Platz für die 27 Tonnen Material sei. Es ist die erste Charge von insgesamt 600 Tonnen, die in den Irak geflogen werden sollen. Insgesamt sollen 10 000 kurdische Kämpfer mit Waffen für 70 Millionen Euro aus Bundeswehrbeständen ausgerüstet werden.

Schon die Ausbilder hatten mit Hindernissen zu kämpfen

Doch nicht nur die Waffenlieferung steht unter keinem guten Stern. Auch die deutschen Soldaten, die den Peschmerga-Kämpfern vor Ort die Bedienung der Panzerfäuste und Gewehre erklären sollen, kommen nicht wie geplant voran. Erst war die Transall, mit der sie vorigen Freitag in Schleswig-Holstein losfliegen wollten, defekt. Dann wurde den sechs Fallschirmjägern und einem Sanitäter tagelang die Einreise in den Irak verweigert. Am Mittwoch saßen sie noch in Bulgarien fest. Inzwischen sei die Einfluggenehmigung aber erteilt, erklärt die Bundeswehr. Die Männer sollten dann am Mittwochabend in Erbil landen.

Das Ersatzteil musste erst eingeflogen werden

Major Habermann will die Technikpanne nicht überbewerten. „Natürlich wäre es uns lieber, es würde alles planmäßig verlaufen. Aber uns ist es wichtig, dass die Maschine sicher fliegt und die Hilfsgüter mit einer intakten Maschine sicher transportiert werden können.“ Nach Stunden der Unklarheit berichtet Habermann in Leipzig dann schließlich, die Techniker hätten den Fehler an der KDC-10 gefunden, ein Ersatzteil sei nötig. „Dieses Ersatzteil muss eingeflogen werden, dann wird es eingebaut, dann ist die Maschine wieder startklar, dann wird sie beladen – und dann kann sie fliegen.“ Geplant war zunächst, dass die Maschine in der Nacht zu heute starten sollte.

Bis Anfang Oktober sind nach Bundeswehrangaben weitere Waffenlieferungen vorgesehen. Sie sollen ebenfalls über Leipzig/Halle abgewickelt werden – dann allerdings nicht mit holländischen Frachtmaschinen, sondern mit Antonows eines ukrainisch-russischen Unternehmens. Diese Riesenflieger eignen sich laut Bundeswehr auch für den geplanten Transport von Fahrzeugen.

Verteidigungsministerin räumt Probleme beim Lufttransport ein

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich in Berlin nicht weiter zu der Verzögerung in Leipzig äußern. Sie räumt allgemein Probleme beim Lufttransport der Bundeswehr ein, beurteilt das deutsche Militär aber dennoch äußerst positiv. Sie wolle nicht verhehlen, dass die Bundeswehr auch Material habe, „das schon einige Jahre auf dem Buckel hat“, sagt sie am Mittwoch. Dass sich Deutschland mit einem Lufttransport im Nordirak und in anderen Auslandseinsätzen engagiere, zeige, wie „einsatzfähig und hochleistungsfähig“ die Bundeswehr sei.

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