Bald sollen alle nuklearen Sprengköpfe der USA aus Deutschland verschwinden.

Washington. Der Kalte Krieg ist vorbei, doch sein gefährlichstes Erbe ist geblieben: Immer noch lagern Atomwaffen in streng gesicherten Raketenschächten in Europa. Auf ihnen beruht seit Jahrzehnten die Doktrin der gegenseitigen Abschreckung.

Umso spektakulärer ist es, was das Weiße Haus jetzt ankündigt: US-Präsident Barack Obama will das Gleichgewicht des Schreckens neu ausbalancieren, die USA wollen die Zahl ihrer Atomwaffen drastisch reduzieren. Dies könnte den Weg für einen Abzug der verbliebenen Nuklearwaffen aus Deutschland ebnen.

Programm zur Entwicklung von Mini-Atombomben gestoppt

Seit Monaten ringt die US-Regierung hinter den Kulissen um eine neue Atomstrategie. "Diese Strategie sieht eine drastische Verkleinerung des Arsenals vor", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter im Weißen Haus. Washington werde sich zudem verpflichten, keine neuen Nuklearwaffen zu entwickeln.

Das von Obamas Vorgänger George W. Bush gestartete Programm zur Entwicklung von Mini-Atombomben gegen unterirdische Bunker werde gestoppt. Obama will Ernst machen mit der Umsetzung seiner Prager Rede vom April 2009, in der er die Vision einer "Welt ohne Atomwaffen" beschworen hatte.

"Um die Denkweisen des Kalten Kriegs zu beenden, werden wir den Stellenwert von Atomwaffen in unserer nationalen Sicherheitsstrategie verringern und andere dazu drängen, dies ebenso zu tun", sagte Obama damals. Das seien keine leeren Versprechungen, heißt es nun im Weißen Haus. Obamas Rede vielmehr sei der Ausgangspunkt für die neue Atomstrategie der USA, die noch in diesem Monat fertiggestellt werden solle.

Der von US-Präsident Obama erwogene Abzug der Atomraketen ist auch ein Ziel der neuen Bundesregierung. Die USA lagern nach Schätzungen von Experten derzeit im Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz unterirdisch zehn bis zwanzig Atombomben. Büchel ist inzwischen der einzig verbliebene Standort mit Atombomben.

Der frühere Nato-Generalsekretär George Robertson kritisiert einen Abzug von Atomwaffen aus den europäischen Nato-Staaten als "schädlich für Deutschland". Ein Abzug könne die Weiterverbreitung eher befördern - etwa wenn das Nato-Land Türkei selbst Atomwaffen anschaffen müsse, um den nuklearen Ambitionen des Nachbarlands Iran entgegenzuwirken.

Das Weiße Haus hingegen beteuert, dass am Prinzip der Abschreckung festgehalten werden solle. Nur sollten dabei künftig konventionelle Waffen im Mittelpunkt stehen. Außerdem sei das Abschreckungspotenzial der verbliebenen Atombomben groß genug.

Hinter Obamas Plänen steht nicht etwa eine Hinwendung zum Pazifismus, sondern eine Neudefinition der Interessen seines Landes. Obamas große Sorge gilt der "Proliferation", also der Verbreitung von Atomwaffen - etwa in Ländern wie dem Iran oder Nordkorea, die den USA feindlich gegenüberstehen. Obama will, dass die großen Atommächte wie die USA oder Russland mit gutem Beispiel vorangehen, ihre Arsenale reduzieren und sich umso dringlicher um eine Eindämmung der Weiterverbreitung bemühen.

Angeblich soll das US-Arsenal von einigen tausend auf einige hundert Atomwaffen schrumpfen. Experten gehen davon aus, dass die neue US-Strategie zu einem Abzug der letzten Atomwaffen aus Deutschland führen wird.

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