Der US-Präsident spricht sich vehement für einen Dialog mit der islamischen Welt aus.

Protestaktion: Bei Demonstrationen in Istanbul wurden Anti-Obama-Parolen skandiert. Der Protest richtete sich gegen die US-Dominanz in der Welt.
Protestaktion: Bei Demonstrationen in Istanbul wurden Anti-Obama-Parolen skandiert. Der Protest richtete sich gegen die US-Dominanz in der Welt.

Protestaktion: Bei Demonstrationen in Istanbul wurden Anti-Obama-Parolen skandiert. Der Protest richtete sich gegen die US-Dominanz in der Welt.

dpa

Protestaktion: Bei Demonstrationen in Istanbul wurden Anti-Obama-Parolen skandiert. Der Protest richtete sich gegen die US-Dominanz in der Welt.

Ankara. US-Präsident Barack Obama sucht einen "neuen Dialog" mit der islamischen Welt und den Moslems: "Lasst mich das so klar wie nur möglich sagen, die USA sind nicht in einem Krieg mit dem Islam, und (sie) werden es nie sein", sagte Obama am Montag vor dem türkischen Parlament in Ankara. Bei seinem ersten Besuch in einem mehrheitlich muslimischen Land seit seiner Amtsübernahme Ende Januar kündigte er neue US-Initiativen an, um die wirtschaftlichen und kulturellen Bande mit der islamischen Welt zu verstärken.

Die Partnerschaft soll über die Sicherheitsaspekte hinausgehen

Zwischen den USA und der Türkei wie zu vielen Teilen der islamischen Welt habe es in den vergangenen Jahren manche Differenzen und eine Belastung des Vertrauensverhältnisses gegeben, räumte der US-Präsident ein. Zwar gebe es die Gemeinsamkeit, dass alle von Extremisten und Terroristen wie dem Terrornetz El Kaida bedroht seien. "Aber das Verhältnis der USA zur islamischen Welt kann nicht allein auf der gemeinsamen Gegnerschaft zu El Kaida begründet sein."

Obama betonte seine "tiefe Wertschätzung für den islamischen Glauben", der so vieles in den vergangenen Jahrhunderten getan habe, um die Welt besser zu machen. Die USA suchten auf vielen Gebieten die verstärkte Zusammenarbeit, die auf gemeinsame Interessen und gegenseitigen Respekt begründet sei. "Wir hören aufmerksam zu, wir beseitigen Missverständnisse und suchen gemeinsamen Boden."

Die Türkei spielt nach den Worten Obamas eine wichtige Rolle als Brücke zwischen der islamischen Welt und dem Westen. Zwischen den überwiegend christlich geprägten USA und der islamischen Türkei könne es eine "Modell-Partnerschaft" geben, sagte Obama zuvor nach einem Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül.

Beide Staaten sollten ihre politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit weiter vertiefen. Obama meinte, in den Beziehungen habe es bisher eine zu große Konzentration auf die sicherheitspolitische Zusammenarbeit gegeben.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in Istanbul zum gemeinsamen Kampf gegen Extremismus aufgerufen. Für einen Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus müsse aber auch auf Liebe und Toleranz gesetzt werden, sagte Erdogan.

Zu dem zweitägigen Treffen der Allianz der Zivilisation - ein Forum für den Dialog zwischen westlichen Staaten und der islamischen Welt - reiste auch der künftige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen an, dessen Ernennung die Türkei zunächst blockiert hatte. Die Türkei erwartet von ihm ein Zeichen der Entschuldigung für den Streit um die Mohammed-Karikaturen. Doch viel wurde daraus nicht. Rasmussen, der sich bei einem Sturz in der Türkei die Schulter ausgekugelt hatte, versprach zwar, religiöse Empfindlichkeiten zu berücksichtigen. Zum Karikaturen-Streit sagte er aber nur, dass er selbst nie für die Herabwürdigung des Propheten Mohammed eingetreten sei und dass er an die Meinungsfreiheit glaube.

Zugleich forderte er erneut die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union (EU). "Die USA unterstützen nachdrücklich die Bemühungen der Türkei, Mitglied in der EU zu werden", sagte Obama. Die Türkei sei stets ein entschiedener Verbündeter und ein verantwortlicher Partner in den transatlantischen Beziehungen und für die europäischen Institutionen gewesen.

Die Bundesregierung geht trotz der Forderung Obamas nicht von einer raschen Entscheidung über einen EU-Beitritt der Türkei aus. "Die Verhandlungen mit der Türkei dauern an, sie werden auch noch geraume Zeit benötigen, noch einige Jahre absehbar", sagte Vize- Regierungssprecher Thomas Steg.

Der CDU-Europa-Parlamentarier Elmar Brok warf Obama vor, sich in EU-Entscheidungen einzumischen. "Wir reden auch nicht darüber, ob die Vereinigten Staaten neue Mitglieder aufnehmen sollen", sagte er. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), sprach sich für einen Beitritt aus. dpa

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