Bei der U3-Betreuung hat sich der Personalschlüssel leicht verschlechtert. Anders sieht es bei den Kindergärten aus.

Kita in Berlin
Bei der U3-Betreuung hat sich der Personalschlüssel leicht verschlechtert. Anders sieht es bei den Kindergärten aus.

Bei der U3-Betreuung hat sich der Personalschlüssel leicht verschlechtert. Anders sieht es bei den Kindergärten aus.

Lukas Schulze

Bei der U3-Betreuung hat sich der Personalschlüssel leicht verschlechtert. Anders sieht es bei den Kindergärten aus.

Düsseldorf/Gütersloh. In nordrhein-westfälischen Krippen und Kindergärten hat sich die Personalbetreuung in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Bei den unter Dreijährigen war rein rechnerisch 2016 ein Erzieher für 3,8 Kinder zuständig, wie aus der Bertelsmann-Studie hervorgeht. Zum Vergleich: 2012 waren es 3,7, es kamen also etwas weniger Kinder auf einen Erzieher. Anders in den Kindergärten: Im Alter ab drei Jahren kamen 2016 auf einen Erzieher in NRW 9,0 Kinder. 2012 waren es noch 9,8.

Im Vergleich mit den anderen westdeutschen Ländern schneidet NRW schlechter ab als der Schnitt: Die Betreuungsrelation liegt über alle westdeutschen Länder hinweg für Kinder unter drei bei 1 zu 3,6, für Kinder ab drei bei 1 zu 8,5. So kommen in Gütersloh 3,3 Kinder auf einen Kita-Erzieher. In Solingen sind es 4,9 Kinder.

Wie wichtig ist der Personalschlüssel überhaupt?

„Der Personalschlüssel ist ganz zentral für die Qualität einer Kita“, sagt Prof. Susanne Viernickel von der Uni Leipzig. Es sei wissenschaftlich erwiesen: Je besser der Personalschlüssel ist, desto besser können sich Betreuer um die Kinder kümmern.

Wie ist der ideale Betreuungsschlüssel?

Das ist umstritten. Die Experten der Bertelsmann-Stiftung halten bei Kindern unter drei Jahren einen Schlüssel von 1:3 für optimal, bei Kindern über drei von 1:7,5. Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen fordert bei Kindern unter drei einen Schlüssel von 1:4.

Kommt es nur auf den Betreuungsschlüssel an?

Nein, sagt Prof. Viernickel. Neben dem Personalschlüssel sei für die Qualität der Kita vor allem die Qualifikation der Fachkräfte wichtig. Entscheidend seien außerdem die Einstellungen der Fachkräfte sowie das Management im Team.

Wie viele Kinder werden eigentlich auswärts betreut?

Im Mittelfeld (1 zu 3,7 – 3,9) liegen Bochum, Coesfeld, Düren, Düsseldorf, der Ennepe-Ruhr-Kreis, Essen, Hagen, Herford, der Hochsauerlandkreis, Köln, Leverkusen, Lippe, Minden-Lübbecke, Mönchengladbach, Mülheim an der Ruhr, Olpe, Recklinghausen, der Rhein-Erft-Kreis, der Rheinisch-Bergische-Kreis, Steinfurt, Unna, Viersen, Warendorf, Wesel und Wuppertal. Schlechter sieht es in Hamm, im Rhein-Kreis Neuss und in Soest aus (1 zu 4,1), ebenso im Rhein-Sieg-Kreis und Duisburg (1 zu 4,2) sowie in Krefeld (1 zu 4,3). Schlusslicht bei den Krippenkindern ist Solingen: Hier liegt der Personalschlüssel bei 1 zu 4,9.

2016 waren laut Angaben der Bertelsmann-Stiftung in NRW 86 925 Kinder unter drei Jahren in einer Kita und 423 556 Kinder, die den dritten Geburtstag schon gefeiert haben. Bei diesen Angaben fehlen jene, die bei einer Tagesmutter untergebracht sind. Insgesamt wird etwa jedes Vierte (25,7 Prozent) unter dreijährige Kind auswärts betreut.

Was braucht es, um die Qualität in Kitas zu verbessern?

Die Bertelsmann-Stiftung fordert von der Politik, für NRW pro Jahr zusätzlich 712 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Außerdem brauche es 15 900 zusätzliche vollzeitbeschäftigte Fachkräfte – dann sei es möglich, einen kindgerechten Personalschlüssel zu erreichen.

Was will NRW-Familienminister Stamp tun?

Für Kinder- und Familienminister Joachim Stamp liegt der Schwerpunkt auf der Beseitigung der Unterfinanzierung der Kitas und dem Ausbau der Qualität. Eine vollständige Beitragsfreiheit für Eltern sei wegen der chronischen Unterfinanzierung in NRW auf absehbare Zeit nicht realisierbar.

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