Ein zweites Köln darf es nicht geben - Die Städte in Nordrhein-Westfalen haben deshalb teils umfangreiche Sicherheitskonzepte für die Silvesternacht erstellt. Auch der Anschlag in Berlin wirkt nach.

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Jochmann, Dirk (dj)

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Düsseldorf. Mehr Polizei, mehr Licht, mehr Straßensperren, aber weniger Böller - die Städte in Nordrhein-Westfalen haben sich für die kommende Silvesternacht gerüstet. Vorfälle wie vor einem Jahr in Köln, als es massenhaft sexuelle Übergriffen auf Frauen gab, sollen sich weder in der Domstadt noch in anderen Städten wiederholen. Auch der Schock nach dem Anschlag von Berlin, bei dem ein Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt gerast war, wirkt nach. Zum Bild der Silvesternacht werden deshalb auch Straßensperren gehören.

Die Bundespolizei kündigte zudem deutlich mehr Kräfte in Bahnhöfen und Zügen in NRW an. Sollte sich ein bestimmter Brennpunkt entwickeln, kann eine spezialisierte Interventionseinheit eingesetzt werden, die per Hubschrauber eingeflogen werden kann.

Eine Übersicht über die Sicherheitsmaßnahmen großer Städte:

Köln: Die Domstadt zieht mit einem umfangreichen Sicherheitskonzept Konsequenzen aus der chaotischen Silvesternacht 2015. Rund um den Dom wird es eine böllerfreie Zone geben. Leuchtmasten am Bahnhofsvorplatz und in der Altstadt sollen dunkle Ecken ausleuchten. Die Polizei will ihre Präsenz in der Innenstadt um das Zehnfache auf 1500 Beamte erhöhen. In noch mehr Bereichen als sonst sollen Straßensperren - auch aus Beton - aufgebaut werden. Für die Absicherung plant die Polizei Gruppenfahrzeuge, Lastwagen und Wasserwerfer ein. Auch soll es mehr Videoüberwachung und Brückensperren geben.

Düsseldorf: Erstmals gilt in Düsseldorf Silvester 2016 ein Böllerverbot in der Altstadt. In der Partyzone rund um das Rathaus dürfen nur Wunderkerzen und einfaches Jugendfeuerwerk abgebrannt werden. Sichergestellte Raketen und Böller werden nach Angaben der Stadt vor Ort in mit Wasser gefüllten Containern unschädlich gemacht. Polizei und Ordnungsdienst seien mit mehr Personal als in früheren Jahren vor Ort. Das Feuerwerksverbot gilt von Samstag, 31. Dezember, 20 Uhr, bis Sonntag, 1. Januar 2017 um 6 Uhr. Auch in der NRW-Landeshauptstadt waren in der Silvesternacht 2015 mehr als 100 Frauen Opfer sexueller Übergriffe geworden. Die Partyzone, der Burgplatz am Rheinufer, wird besser ausgeleuchtet.

Bonn: Auch in Bonn sind deutlich mehr Polizeibeamte im Einsatz. Verstärkt gesichert werden die großen Plätze wie der Bonner Münster-Platz oder der Bertha von Suttner-Platz, der zur Kennedy-Brücke führt. Dort kommen jedes Jahr traditionell Tausende Besucher zum Feuerwerk am Rhein zusammen. Auch den Hauptbahnhof wollen Sicherheitskräfte verstärkt im Auge behalten. Ein besonderes Böller-Verbot gibt es in der Stadt nicht. Erstmals sind einem Stadtsprecher zufolge gemeinsame Teams aus Polizei und Ordnungsdienst an besonders stark besuchten Orten unterwegs. Die Stadt setzt dafür zwölf statt wie an sonstigen Wochenenden oder Feiertagen sechs Mitarbeiter des Ordnungsdienstes ein.

Dortmund: In der Silvesternacht dürfen in Dortmund am Hauptbahnhof und dem zentralen Platz „Alter Markt“ keine Feuerwerkskörper gezündet werden. Die Verbotszonen sind Teil eines verschärften Sicherheitskonzepts. Polizei und Ordnungsamt werden mit mehr Personal sowohl uniformiert als auch in zivil unterwegs sein und von Bereitschaftspolizisten unterstützt. Zusätzlich sind zwei mobile Wachen in der Innenstadt geplant. Das Vergnügungsviertel Brückstraße wird erstmals mit Kameras überwacht.

Oberhausen: Nach dem Verdacht eines möglichen Anschlags auf das Einkaufszentrum Centro ist die Polizei in Oberhausen stärker aufgestellt als in früheren Jahren. Die Polizei sei Silvester „überall im Stadtgebiet präsent“, hieß es. Im Visier der Polizei sind besonders das Centro - dort sind Kneipen geöffnet -, der Hauptbahnhof und ein Verkehrsknoten im Stadtteil Königshardt, an dem sich bei besonderen Ereignissen viele Menschen versammeln.

Essen/Bochum: Essen erhöht sein Polizeiaufgebot. Bochum geht mit den üblichen Kräften für besondere Tage in den Silvestereinsatz. Das seien 40 Prozent mehr Beamte als an normalen Tagen. Für besondere Lagen steht Bereitschaftspolizei zur Verfügung, die in Bochum stationiert ist. Darauf können auch andere Städte zurückgreifen.

Duisburg: Duisburg hat mehr Polizisten im Einsatz als in früheren Silvesternächten. „Alles, was keinen Urlaub hat, ist im Einsatz“, sagte ein Sprecher. Zusätzlich seien Kräfte der Bereitschaftspolizei bewilligt worden. In Marxloh kommt die neue Videobeobachtung zum Einsatz. Größere Straßenfeiern wie in Köln oder Düsseldorf gibt es in Duisburg aber nicht.

Bielefeld: Auch in Bielefeld hatte es Silvester 2015/16 Tumulte und vereinzelte Anzeigen wegen sexueller Beleidigungen gegeben. Nach den Vorfällen beschlossen Polizei und Stadt ein Böllerverbot für die Ausgehmeile Boulevard. Außerdem wird nach Polizeiangaben die Präsenz uniformierter und ziviler Einsatzkräfte in der Innenstadt erhöht. Kräfte des Ordnungsamtes seien ebenfalls im Einsatz.

Münster: Die Polizei ist in der Silvesternacht mit rund 70 zusätzlichen Beamten unterwegs - vor allem an möglichen Hotspots wie dem Domplatz, der Altstadt und am Hafen. Bei jedem Hinweis auf Straftaten wie sexuelle Belästigung, Taschendiebstahl oder Körperverletzung werde die Polizei konsequent einschreiten. Die Stadt will zudem Kräfte des Ordnungsamtes einsetzen. Feuerwerkfreie Zonen, etwa am Domplatz oder Hauptbahnhof, wird es in Münster nicht geben. Die Stadt warnte aber: In unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern sei das Abbrennen von Pyrotechnik gesetzlich verboten.

Aachen: In Aachen sehen die Sicherheitskräfte dem Jahreswechsel relativ gelassen entgegen. Im vergangenen Jahr hatte es dort keine Übergriffe gegeben. Dennoch ist laut Polizei diesmal mehr Personal im Einsatz. Besonders im Fokus stehen die Partymeile in der Innenstadt, der Marktplatz und der Bereich um den Aachener Dom.

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