Kavaliersdelikt? Nein. Steuerhinterziehung ist Diebstahl zulasten der Allgemeinheit. Klaus Zumwinkel, Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, hat die Menschen im Land kaltblütig um knapp eine Million Euro betrogen. Schon bei einer Summe von 50 000 Euro sprach der Bundesgerichtshof kürzlich von "Steuerhinterziehung in großem Ausmaß"; bei einer Million Euro und mehr sei eine Haftstrafe zwingend fällig. Vor diesem Hintergrund kann sich der Ex-Postchef freuen, in Bochum auf milde gestimmte Richter gestoßen zu sein, die sein Vergehen offenbar als Grenzfall einstuften.

Die Botschaft an die Allgemeinheit aber bleibt weniger erfreulich, auch wenn Zumwinkel nun mit seiner gesellschaftlichen Ächtung leben muss: Eine Haftstrafe wäre ein Signal gewesen, dass Gerechtigkeit keine Klassen kennt, dass auch die sogenannte Elite für kriminelle Taten büßen muss wie jeder andere Straftäter auch. Mit dem Bewährungsurteil wurde die Chance für eine moralische Neubewertung verpasst.

christoph.lumme@wz-plus.de

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer