Die in „eCall“ enthaltenen Module für Ortung und Mobilfunk machen den Einsatz für viele Zwecke möglich.

Düsseldorf. Die Zahlen sind beeindruckend: Europaweit ereignen sich jährlich etwa 1,2 Millionen Verkehrsunfälle, bei denen rund 39000 Menschen ums Leben kommen und etwa 1,7 Millionen Personen verletzt werden. Bei einer schnelleren Hilfeleistung könnten dabei bis zu 2500 Menschenleben gerettet werden und könnte die Zahl der Schwerverletzten um zehn bis 15 Prozent sinken, hat die EU-Kommission ausgerechnet - wenn das Auto-Notrufsystem "eCall" europaweit eingeführt ist.

Komponenten können problemlos für die Maut eingesetzt werden

Das "eCall"-System ruft bei einem schweren Unfall automatisch die Notrufnummer 112 an und übermittelt den Standort an die nächstgelegene Notrufzentrale. "Damit lassen sich die Reaktionszeiten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte halbieren, Folgen von Verletzungen mildern und das Leben von Personen retten, die nicht wissen, wo sie sich befinden oder diese Angaben nicht weitergeben können", wirbt EU-Kommissarin Viviane Reding. (siehe Grafik).

Doch "eCall" kann noch wesentlich mehr als das - jedenfalls theoretisch. Denn das System besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten - einem GPS-Empfänger zur genauen Standort-Bestimmung und einem Mobilfunk-Modul. Beide zusammen sind beispielsweise Grundlage für das niederländische Modell der Kilometer-Maut: Der GPS-Empfänger registriert die zurückgelegte Strecke, das Mobilfunk-Modul funkt diese Daten an die Abrechnungsstelle - und reagiert auch auf Impulse von Kontrollstationen, die prüfen, ob das Gesamtgerät auch eingeschaltet ist.

Doch die Möglichkeiten reichen weiter. Wissenschaftler Guido Huppertz vom Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen (INT) in Euskirchen und seine Kollegen haben jetzt ein Patent angemeldet, das Daten aus dem "eCall"-System nutzen kann, um weite Bevölkerungskreise vor Naturkatastrophen oder großen Unglücken zu warnen.

Schon als Patent angemeldet: "eCall" betätigt Autohupen als Sirenen

Die dahinter steckende Idee ist so genial wie in ihrer Konsequenz letztlich erschreckend: Weil es in Deutschland kein flächendeckendes Warnsystem mittels Sirenen mehr gibt, sollen Autohupen diese Funktion übernehmen und die Bevölkerung veranlassen, Radio- und Fernsehgeräte einzuschalten. Diplom-Ingenieur Huppertz: "Die eCall-Module in den Fahrzeugen können per Funk angesteuert werden. Im Katastrophenfall könnte man etwa folgendes Signal senden: An alle Fahrzeuge die sich innerhalb der Grenzen der GPS-Koordinaten XYZ befinden: Ist der Motor abgestellt, fangt an zu hupen." Bereits 14 Prozent der bundesweit zugelassenen Fahrzeuge reichen nach Berechnungen der Forscher aus, um eine flächendeckende Alarmierung zu ermöglichen.

Viviane Reding ist fest entschlossen, das eCall-System so schnell wie möglich einzuführen. "Wenn die freiwillige Einführung des Systems bis Ende 2009 keine wesentlichen Fortschritte macht, wird die Kommission Rechtsvorschriften vorschlagen, mit denen diese lebensrettende Technik in ganz Europa verfügbar gemacht wird."

Sechs EU-Mitgliedsstaaten verweigern bislang noch die Einführung des Systems - vor allem aus Kostengründen: Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Lettland und Malta.

Doch das setzt natürlich voraus, dass die "eCall"-Geräte in den Autos ständig empfangs- und sendebereit sind - auch und gerade, wenn die Fahrzeuge abgestellt sind. Das aber wiederum würde es ermöglichen, ein absolut lückenloses Bewegungsprofil für das Fahrzeug zu erstellen - ob dem Besitzer das passt oder nicht.

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