Der Staatsschutz Gelsenkirchen soll nach einem Westpol-Bericht des WDR bereits Anfang dieses Jahres Kenntnis von brisanten Handy-Aufnahmen gehabt haben, die einer der beiden 16-jährigen Hauptverdächtigten im Falle des Brandanschlags auf einen Sikh-Tempel in Essen gemacht hatte. Die Polizei räumt Fehler ein.

Nach Anschlag auf die Sikh-Gemeinde in Essen gibt es eine dramatische Wende: Die mutmaßlichen Tatverdächtigen sind minderjährig und den Behörden bekannt.
Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.

Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.

Archivfoto: dpa

Joginer Singh, ein Prediger des Sikh-Gemeindezentrums, zeigt den zerstörten Eingangsbereich des Gebetshauses.

Gelsenkirchen. Der Staatsschutz Gelsenkirchen soll nach einem Westpol-Bericht des WDR bereits Anfang dieses Jahres Kenntnis von brisanten Handy-Aufnahmen gehabt haben, die einer der beiden 16-jährigen Hauptverdächtigten im Falle des Brandanschlags auf einen Sikh-Tempel in Essen gemacht hatte.

Auf dem Video soll eine beachtliche Explosion zu sehen sein. Laut WDR handelte es sich um einen Bombentest in einer alten Zechenanlage in Gelsenkirchen. Lehrer hatten davon gehört und die Vorkommnisse im Januar dem Staatsschutz Gelsenkirchen mitgeteilt.  Yusuf T. habe vor Mitschülern geprahlt, dass kurz vor Weihnachten eine Hausdurchsuchung bei ihm stattgefunden hatte – und er soll auch das Video von dem Bombentest einigen Schülern gezeigt haben. Die wiederum wandten sich an eine Lehrerin, die wiederum die Schulleitung in Kenntnis setzte. 

Werner Gallmeister, Leiter der Gelsenkirchener Realschule, die der 16-Jährige seit September 2015 besucht hatte, bestätigte diese Information im Gespräch mit der WZ: „Wir haben dies an den Staatsschutz weitergegeben.“ Es sei der Schulleitung auch bekannt gewesen, dass der 16-Jährige „in der Islamisten-Szene drin war“, wie Gallmeister erklärte. So habe es einen regen Austausch der Schule mit der Polizei, der Bezirksregierung Münster, dem Projekt Wegweiser und dem Gesundheitsamt Gelsenkirchen gegeben, um der offensichtlichen Radikalisierung des Jugendlichen entgegenzuwirken. „Die Schule wurde von den Behörden gut unterstützt“ betonte Gallmeister. Auch Mitschüler hätten versucht, den 16-Jährigen von seiner Gesinnung abzubringen.

Olaf Brauweiler, Sprecher des Gelsenkirchener Staatsschutzes, räumte zwar ein, dass die Behörde einen Hinweis auf das Video bekommen hat, „aber wir haben das Handy nie in der Hand gehalten“. Am Montagnachmittag gab die Polizei Gelsenkirchen in einer Presseerklärung Fehler zu.  Im Januar 2016 habe der Schulleiter den Staatsschutz   darauf hingewiesen, dass Yussuf T. angeblich auf dem Schulhof Mitschülern ein Video von der Detonation eines vermeintlichen Polenböllers gezeigt habe. Diese Information sei  aufgenommen und bewertet worden: "Aus heutiger Sicht war unsere Reaktion nicht konsequent genug."  Es seien zwar Verhaltensregeln mit der Schulleitung vereinbart worden, "jedoch ohne polizeiinterne Maßnahmen in Absprache mit der Justiz gegen Yussuf T. einzuleiten". Diese Entscheidung sei damals vertretbar gewesen,  jedoch im Rückblick falsch. Die Vorgänge werden aufgearbeitet.

Das NRW-Innenministerium gab sich  verschnupft: „Wir haben diesen Hinweis erst jetzt bekommen“, versicherte Sprecher Jörg Rademacher am Montagmittag.

 

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