Bisher hat die belgische Atomaufsicht keinen Grund gesehen, das Kernkraftwerk Tihange abzuschalten. Zwei Briefe machen aber deutlich, dass auch für die Behörde längst nicht alles in Ordnung ist.

Atomkraftwerk Tihange
Das AKW Tihange macht den Menschen in der Aachener Grenzregion Sorge.

Das AKW Tihange macht den Menschen in der Aachener Grenzregion Sorge.

Oliver Berg

Das AKW Tihange macht den Menschen in der Aachener Grenzregion Sorge.

Düsseldorf. Die NRW-Landesregierung sieht sich in ihrem Widerstand gegen das belgische Atomkraftwerk Tihange durch zwei «alarmierende» Briefe der belgischen Atomaufsicht bestätigt. Diese Behörde werfe dem Betreiber vor, das Sicherheitsniveau seit mehr als einem Jahr nicht erhöht zu haben. Auch habe er die Sicherheitsanalysen für den Brandschutz an dem umstrittenen Meiler Tihange 2 nicht korrekt durchgeführt, kritisierte die belgische Atomaufsicht nach Angaben von NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) vom Freitag.

«Die Bundesregierung muss sich jetzt - und hier ist die Bundeskanzlerin persönlich gefragt - bei der belgischen Regierung so verwenden, dass das endgültige Abschalten der Bröckelreaktoren jetzt erreicht wird», forderte Remmel. Laut zweier von der belgischen Zeitung La Libre veröffentlichen Briefe macht die belgische Atomaufsicht offensichtlich Druck auf den Betreiber. Im Brief vom 1. Juli an die Betreibergesellschaft Engie monierte der Chef der belgischen Atomaufsicht, die Nachbesserungen im Brandschutz seien immer noch nicht vorgenommen worden. Er habe schon früher auf alarmierende Wahrscheinlichkeiten einer Kernschmelze im Falle eines Brands in den Reaktoren Doel 3 und 4, Tihange 1,2 und 3 hingewiesen. In einem zweiten Brief an den Mutterkonzern Electrabel vom 2. September kritisiert die Atomaufsicht nach einer nicht angekündigten Inspektion von Tihange 2 noch immer fehlende Nachbesserungen.

Es geschehe nicht alle Tage, dass die zuständige Aufsichtsbehörde einen AKW-Betreiber auffordere, Mängel in der Sicherheitskultur und in der Organisationsstruktur des Unternehmens zu beseitigen, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) der «RP» (Samstagausgabe). Die nötigen Schlussfolgerungen könne allerdings niemand anderes treffen als die belgische Aufsichtsbehörde FANC, so die Bundesumweltministerin.

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