Der Ganztagsplatz ist für Familien nicht unbedingt erste Wahl.

Kitas
In den Kitas hat sich die Belegschaft durch den U3-Ausbau längst verjüngt. Das klassische Kindergarten-Eintrittsalter sank auf zwei Jahre.

In den Kitas hat sich die Belegschaft durch den U3-Ausbau längst verjüngt. Das klassische Kindergarten-Eintrittsalter sank auf zwei Jahre.

dpa

In den Kitas hat sich die Belegschaft durch den U3-Ausbau längst verjüngt. Das klassische Kindergarten-Eintrittsalter sank auf zwei Jahre.

Düsseldorf. Was wollen Familien wirklich? Nachdem die Städte unter zum Teil enormem Kraftaufwand daran gearbeitet haben, überhaupt die vorgeschriebene Zahl an U3-Plätzen zu schaffen, geht es inzwischen immer mehr um Detailfragen. Denn nun zeigt sich, wie genau sich der politisch gewollte gesellschaftliche Wandel vollzogen hat. Also: Wann Eltern ihre Kleinkinder bevorzugt in die Kita geben und wie lange.

Die meisten Kinder kommen mit zwei Jahren in die Kita

Die Stadtspitzen in Langenfeld und Monheim haben festgestellt, dass das klassische Kindergarten-Eintrittsalter von drei Jahren sehr schnell abgelöst wurde. „Die meisten geben ihre Kinder inzwischen mit zwei Jahren in die Betreuung“, sagt Michael Schmitz, Beigeordneter in Mönchengladbach. Er hält es für möglich, dass das Eintrittsalter weiter sinkt, wenn Hemmschwellen abgebaut werden. „Niemand muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn er sein einjähriges Kind in die Kita gibt.“

Wie sich der Betreuungsbedarf entwickelt, lässt das Bundesfamilienministerium derzeit von der Technischen Universität Dortmund in einer bundesweiten Elternbefragung klären. Dabei wurden auch drei Städte unseres Verbreitungsgebiets untersucht. Das Ergebnis zeigt deutlich den Trend zu immer früherer Betreuung: Wuppertal braucht demnach in Zukunft für knapp 70 Prozent seiner Zweijährigen Kita-Plätze, in Nettetal und Monheim liegt der Bedarf bei 65 Prozent. Auch für die Einjährigen ist die Nachfrage mit 38 bis 40 Prozent hoch. Bei den unter Einjährigen liegt Monheim mit sieben Prozent vorn.

Eltern hätten gern kürzere Betreuungszeiten

Eine weitere Überraschung: Ein Großteil der Eltern hätte lieber kürzere Betreuungszeiten. Familien wählen in NRW zwischen Halbtagsplätzen (25 oder 35 Wochenstunden) und Ganztagsplätzen (45 Stunden). Für die Kitas ist die Verteilung von Bedeutung, weil sich daran der Personalschlüssel bemisst – je länger die Zeiten, desto mehr Erzieher.

In Mönchengladbach etwa sind knapp 48 Prozent aller Plätze Ganztagsplätze. In der Befragung dagegen wünschen sich 50 bis 70 Prozent nur halbtags Betreuung. In Wuppertal wollen sogar nur 14 Prozent der Eltern Ganztagsplätze. Warum sie dennoch häufig den Ganztag nachfragen, wird beim Blick in Elternforen deutlich. „Wenn ich einen Ganztagsplatz nehme, habe ich eher eine Chance, angenommen zu werden. Also zahle ich voll und hole mein Kind früher ab“, schreibt eine Nutzerin auf rund-ums-baby.de. Einträge wie diese sind keine Seltenheit.

Für die Kommunen wird umso spannender, wie sich der Offene Ganztag in den Schulen entwickelt. Wer im Kindergarten bis zum frühen Nachmittag betreut wird, bleibt später vermutlich auch länger in der Schule. „Die Nachfrage steigt deutlich“, bestätigt Haans Schuldezernentin Dagmar Formella. Waren im Schuljahr 2012/2013 noch 494 Schüler im Offenen Ganztag, werden es im Jahrgang 2014/2015 schon 597 sein.

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