2016 haben sich in NRW deutlich mehr Gefängnisinsassen das Leben genommen als in den Jahren davor. Das Justizministerium will nun wieder stärker auf Videoüberwachung setzen.

Offener Strafvollzug
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Friso Gentsch

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Düsseldorf. In den Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen haben sich im vergangenen Jahr so viele Gefangene das Leben genommen wie seit 2003 nicht mehr. Insgesamt hätten 19 Gefangene Suizid begangen, sagte ein Sprecher des Justizministeriums in Düsseldorf. Im Vorjahr gab es neun Suizide.

«Eine genaue Erklärung, warum die Zahl in diesem Jahr wieder gestiegen ist, gibt es leider nicht», sagte der Sprecher. Allerdings sei die Suizidrate in NRW seit den 1990er Jahren deutlich gesunken. Auch im Vergleich mit anderen Bundesländern habe NRW in den vergangen 25 Jahren eine niedrige Suizidrate.

Der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) forderte, die Zahl der JVA-Beschäftigten zu erhöhen. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Gefängnisinsassen deutlich gestiegen. Gleichzeitig steige die Gewaltbereitschaft der Häftlinge, sagte der NRW-Landesvorsitzende, Peter Brock. Um den Anforderungen gerecht zu werden, bräuchten die Vollzugsanstalten 1000 Beschäftigte mehr. Das Justizministerium will nun die Videoüberwachung in den Gefängnissen deutlich verstärken. Seit 2015 ist eine Videoüberwachung aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Gefangenen nur noch in besonderen Räumen und bei akuter Gefahr möglich.

Die Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten in NRW und auch die CDU im Landtag hatten das kritisiert. Die Psychologin und ehemalige JVA-Leiterin Katharina Bennefeld-Kersten warnt allerdings davor, bei der Suizidprävention nur über Zwangsmaßnahmen nachzudenken. Nötig seien vor allem Angebote für die Gefangenen - etwa eine Telefonseelsorge für Gefangene, wie es sie in Niedersachsen gebe. Außerdem könnten suizidgefährdete Häftlinge mit hafterfahrenen Mitinsassen zusammengelegt werden, die ihnen in der ersten Zeit im Gefängnis zur Seite stehen.

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