NRW-Grüne wollen die christliche Feiertagsruhe abschaffen.

Religion
Karfreitagsprozessionen wie hier in Wuppertal konkurrieren am stillen Feiertag zunehmend mit Unterhaltungsveranstaltungen. Archiv

Karfreitagsprozessionen wie hier in Wuppertal konkurrieren am stillen Feiertag zunehmend mit Unterhaltungsveranstaltungen. Archiv

Kurt Keil

Karfreitagsprozessionen wie hier in Wuppertal konkurrieren am stillen Feiertag zunehmend mit Unterhaltungsveranstaltungen. Archiv

Düsseldorf. Das Verbot von Unterhaltungsveranstaltungen an kirchlichen Feiertagen wie Karfreitag ist nicht mehr zeitgemäß und gehört abgeschafft – das fordert der Landesvorsitzende der NRW-Grünen, Sven Lehmann.

Es könne nicht sein, dass Christen Anderen vorschreiben, wie sie den Tag verbringen. „Unsere Gesellschaft ist nicht nur christlich geprägt, sondern vielseitig – auch jüdisch, muslimisch und säkular“, sagte er.

Auslöser der Debatte sind an Karfreitag geplante und deswegen umstrittene Aufführungen an verschiedenen Bühnen des Landes. Unter anderem wird im Essener Aalto-Theater die Premiere von Puccinis „Madame Butterfly“ nach einem Hinweis der Bezirksregierung auf Gründonnerstag vorverlegt.

Wagners „Parsifal“ ist laut Gutachten würdig genug für den Feiertag

Die Aufsichtsbehörden in Köln geben dagegen grünes Licht für Wagners „Parsifal“. Dafür habe die Stadt eigens ein Gutachten bei einem Professor für systematische Theologie in Auftrag gegeben, berichtete die Bezirksregierung. Das Ergebnis: Die Oper habe einen religiösen Bezug und sei ernst und würdevoll genug, um als Ausnahme vom strengen Feiertagsgesetz akzeptiert werden zu können.

„Wer Feiertage ohne ihren prägenden Inhalt haben will, will sie am Ende gar nicht mehr“, kommentierte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, die Grünen-Forderung. Folge man Lehmanns Logik, müssten auch der Volkstrauertag, der 1. Mai oder der Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) abgeschafft werden, weil die Mehrheit der Bevölkerung nicht zu Gedenkfeiern oder Mai-Kundgebungen gehe.

Arbeits- und Sozialminister Guntram Schneider vom Koalitionspartner SPD ließ die Grünen bereits wissen, dass er nichts von einer Gesetzesänderung hält. Unterstützung findet Lehmann dagegen bei der FDP in Köln. Auch sie hält das Verbot leichter Unterhaltungsveranstaltungen an stillen Feiertagen wie Karfreitag für „schlichtweg absurd“.

Die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen hält dagegen

Selbst in den eigenen Reihen scheint keine Einigkeit zu herrschen. So betonte die kirchenpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer: „Am Feiertagsgesetz ist keine Änderung vorgesehen.“ Grünen-Chef Lehmann hofft dagegen, eine gesellschaftliche Debatte anzustoßen.

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