Mit einem Drei-Stufen-Plan soll die angeschlagene Partei genesen. Der designierte Landeschef sagt: „Ich muss keine Rücksicht auf eigene Karriere nehmen.“

Minister Michael Groschek in der WZ Redaktion.
SPD-Landeschef Michael Groschek am Donnerstag beim Besuch in unserer Redaktion.

SPD-Landeschef Michael Groschek am Donnerstag beim Besuch in unserer Redaktion.

Michaelis, Judith (JM)

SPD-Landeschef Michael Groschek am Donnerstag beim Besuch in unserer Redaktion.

Düsseldorf. Der designierte SPD-Chef in Nordrhein-Westfalen, Michael Groschek, will seine Partei nach der verlorenen Landtagswahl einer „Generalinventur“ unterziehen, sie inhaltlich und strukturell neu aufstellen und die laufenden Macht- und Postenkämpfe sofort zerschlagen.

„Viele leben in dem naiven Glauben, die Pointen oder Namen, die an Journalisten durchgestochen werden, seien ein politischer Qualifikationsnachweis. Sie begreifen nicht, dass sie sich politisch verzwergen und zur Lachnummer machen. Dieser Prozess hat leider sofort am Tag nach der Wahl eingesetzt. Es war ein munteres Tontaubenschießen zu befürchten“, sagte Groschek am  im Interview mit unserer Zeitung und meinte die Kämpfe um Parteivorstand und Fraktionsvorsitz.

Am 10. Juni soll Groschek, der „keine Rücksicht auf eigene Karrierepläne nehmen“ müsse, von der Basis auf dem Landesparteitag in Duisburg als Nachfolger von Hannelore Kraft zum SPD-Chef in NRW gewählt werden. Der 70 Jahre alte Norbert Römer wurde darüber hinaus am Dienstag für „maximal ein Jahr“ als Fraktionschef wiedergewählt – mit viel Kritik und trotz Nachfolgekandidaten wie Thomas Kutschaty, Marc Herter oder Ralf Jäger, die intern mit den Hufen scharren sollen. Groschek warnte seine Genossen. „Ich glaube, dass denen, die Sie als Journalisten und andere gefüttert haben, bewusst geworden ist, dass sie erkannt sind und dass sie der Partei schaden.“ Die Selbstzerfleischung werde Groschek nicht zulassen. „Wir mussten leider erleben, dass in der SPD zwar viel über Respekt und sozialen Anstand geredet wird, wenn die Gesellschaft gemeint ist, aber wir intern im Umgang miteinander zu oft Respekt und Anstand verlieren.“

Groschek will keine Wunden lecken, sondern Aufbruch beschwören

Noch vor dem SPD-Bundesparteitag in Dortmund Ende Juni wolle man die Hausaufgaben gemacht haben. „Dieser Parteitag darf nicht zum Ort unseres Wundenleckens werden, sondern muss der Tag des entschlossenen Aufbruchs für die Bundestagswahl sein“, sagte Groschek.

Der SPD-Landesvorstand plant, einen „klaren Fahrplan mit drei Etappen“ auf dem Landesparteitag zu verabschieden. Erste Etappe sei die Konzentration auf den Bundestagswahlkampf, der „emotionaler und kontroverser“ geführt werden müsse. Danach folge eine Generalinventur der organisatorischen Aufstellung. Dabei will Groschek auch erfolgreiche SPD-Kommunalpolitiker einbinden und Talente „scouten“. Zuletzt wolle man ein „Bündnis der Bessermacher“ schmieden, mit Betriebsräten und Gewerkschaften, aber auch mit Menschen aus „Kunst und Kultur“. Groschek resümierte: „Wir haben als Partei vielerorts die Verbindung zu Kunst und Kultur verloren.“

Der Einschätzung, dass die SPD in NRW derzeit von alten Köpfen in die neue Zeit geführt werde, entgegnete Groschek: „Mehr alte Köpfe als in der voraussichtlich neuen Landesregierung gab es noch nie: Laschet, Laumann, Lienenkämper, Wittke, Pinkwart – alles abgewählte Minister.“

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