Nach dem Krimi im Norden wächst der Nervenkitzel in NRW. Im Wahlkampfendspurt schauen viele auf die vor wenigen Wochen schon fast totgesagte FDP und ihren Spitzenmann Christian Lindner. Die CDU sieht ihre Felle schwimmen - und eine Ampel blinken.

Lindner
Christian Lindner (FDP) hat "Lust auf Landespolitik".

Christian Lindner (FDP) hat "Lust auf Landespolitik".

dpa

Christian Lindner (FDP) hat "Lust auf Landespolitik".

Düsseldorf. In Schleswig-Holstein hat der Wähler gesprochen, in Nordrhein-Westfalen ist das Rennen noch offen. Im Endspurt vor der NRW-Wahl am kommenden Sonntag gilt der FDP plötzlich wieder die geballte Aufmerksamkeit.

Noch vor einigen Wochen hatte die FDP kaum einer mehr auf dem Zettel, in der Partei ging das große Zittern um, ob sie es wieder in den Landtag schafft. Einen Tag nach der Wahl im Norden wirken nun die Christdemokraten in Düsseldorf nervös und der gerade frisch gewählte FDP-Landesparteichef Christian Lindner ist zuversichtlich.

Die CDU befürchtet nach dem starken Ergebnis der Liberalen in Kiel eine Ampel in NRW. Das wäre dann definitiv wieder harte Oppositionsbank für die CDU. Lindner sagt am Montag zu Ampel-Gerüchten: «Ich bewerbe mich nicht um den Eintritt in eine Ampel.» Die von der CDU aufgebrachte Debatte zeige: «Da liegen wohl die Nerven (...) blank.»

Die Partei von Bundesumweltminister Norbert Röttgen merke sechs Tage vor der Wahl ihren Fehler, «unklar zu bleiben bei Themen und Köpfen». Soll heißen: Dass Röttgen sich nicht auch für den Fall einer Niederlage klar zu NRW bekenne, koste Stimmen. Lindner sagt dagegen: «Ich habe Lust auf Landespolitik.»

Schon in der kommenden Woche will der 33-Jährige Fraktionschef werden. In den nervösen Tagen vor der auch bundesweit wichtigen Wahl attackieren sich FDP und CDU heftig - obwohl sie sich in der Opposition doch so oft einig waren. Die Liberalen in NRW könnten von der Schwäche des CDU-Herausforderers profitieren, poltert Röttgens FDP-Bundeskabinettskollege Dirk Niebel.

Der «Leipziger Volkszeitung» sagt der Entwicklungshilfeminister: «Wir sind ein klares Angebot für Unions-Wähler, für die der ungeeignete Spitzenkandidat Norbert Röttgen kein interessantes Angebot ist.» Die CDU sei nur noch bemüht, «Juniorpartner der SPD» zu werden, kritisiert Lindner. Reiche es für Rot-Grün nicht, rechne er mit einer großen Koalition in Düsseldorf.

NRW-CDU-Generalsekretär Oliver Wittke sieht dagegen eine Ampel blinken, falls Rot-Grün keine Mehrheit bekommt. Die Parteitagsrede des neuen FDP-Landesparteichefs am Sonntag habe die CDU genau analysiert. Ergebnis laut Wittke: «Herr Lindner hat mit keinem einzigen Wort eine Ampelkoalition ausgeschlossen.»

Lindner werde «keine Sekunde zögern» und den «Steigbügelhalter in NRW» für Rot-Grün geben. Zwar sehen - mit einer Ausnahme - alle Umfragen eine eigene Mehrheit für Rot-Grün in NRW. Aber noch gut fünf Millionen - von insgesamt rund 13,2 Millionen - Wahlberechtigten wissen noch nicht, ob und wen sie wählen. Lindners FDP ist binnen Wochen aus einem Totaltief von zwei Prozent auf zuletzt sechs Prozent geklettert. Lindner sieht sich zudem vom Erfolg in Kiel gestärkt.

Die CDU liegt in NRW bei 30 Prozent oder etwas darüber - und damit klar hinter der SPD. Dass die CDU stärkste Kraft - und Röttgen Regierungschef - wird, gilt als nicht sehr wahrscheinlich. Die SPD gibt sich siegessicher, dass sie mit den Grünen auf eine Mehrheit kommt. Fragen zu einem Ampelbündnis lässt Generalsekretär Michael Groschek unbeantwortet. «Wir kämpfen für Rot-Grün», lautet die Standardantwort.

Bissige Worte aber auch von ihm in Richtung CDU und Röttgen: «Der Jein-Wahlkampf von Norbert Röttgen wird als Lehrstück in die Geschichte eingehen, wie man es nicht machen soll.» Unterdessen unternimmt der bisherige CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann einen Vorstoß Richtung SPD. Er könnte als Nummer zwei hinter Kraft in einer großen Koalition infrage kommen - wozu Röttgen sicher nicht bereitstünde.

Den «Westfälischen Nachrichten» sagt der CDU- Sozialpolitiker Laumann: «Wir wollen einen Politikwechsel für NRW. Und den können wir nur mit einem der jetzigen Regierungspartner erreichen.» Also der SPD. Denn Schwarz-Grün - von Röttgen bisher nicht ausgeschlossen - gehe gar nicht. Kommentar von FDP-Mann Lindner: «Die Leute, die Röttgen wählen, bekommen am Ende Laumann.»

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