Lehrer kritisieren die zentralen Abschluss-Aufgaben. Das Ministerium weist die Vorwürfe zurück.

Düsseldorf. Noch liegen die Noten nicht vor, doch schon gibt es scharfe Kritik an den zentralen Abschlussprüfungen an den 557 Realschulen in Nordrhein-Westfalen, die mehr als 55 000 Zehntklässler ablegen mussten: Die vom Düsseldorfer Schulministerium vorgegebenen Aufgaben und das Benotungsschema seien zu leicht gewesen und damit die Noten nicht realistisch, heißt es im Realschullehrerverband.

Pädagogen warnen vor rapidem Qualitätsverlust

"Die Anforderungshöhe ist zu gering. Das Ergebnisniveau wird über dem der Klassenarbeiten sein, was bei den Lehrern zu einem Rechtfertigungsdruck gegenüber den Eltern führen wird", sagte Heribert Brabeck, stellvertretender Vorsitzender des NRW-Realschullehrerverbands.

Die Prüfungen wurden Mitte Mai geschrieben, die Noten liegen kommende Woche vor. Beteiligte Lehrer sprechen von einem rapiden Qualitätsverlust bei den Anforderungen. So zählten Rechtschreibfehler kaum noch. "So kann wirklich kaum jemand mehr durchfallen", sagte eine beteiligte Englisch-Lehrerin.

"Das haben mir Kollegen auch berichtet. So werden fehlende Striche beim T oder dem i-Punkt gar nicht mehr als Fehler gewertet", bestätigte Brabeck. Und auch fehlende Kommata oder ein reine phonetische Schreibweise in Englisch führen offenkundig nicht mehr zum Durchfallen.

Diese Beobachtung stützt auch Andreas Meyer-Lauber, Landesvorsitzender der Lehrergewerkschaft GEW. "Durch die zentralen Prüfungen ist das Niveau eindeutig nach unten gegangen", sagte er unserer Zeitung.

Das NRW-Schulministerium wies die Kritik zurück. "Im Rahmen dieses gestuften Verfahrens zur Qualitätssicherung wurden die diesjährigen Aufgaben hinsichtlich ihrer fachlichen Eignung und des Anforderungsniveaus als angemessen eingestuft", hieß es in einer Stellungnahme des Ministeriums.

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