Der Bund der Kriminalbeamten macht Überlastung und fehlende Ausbildung für niedrige Aufklärungsquote verantwortlich.

Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen in NRW ist verbesserungsbedürftig.
Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen in NRW ist verbesserungsbedürftig.

Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen in NRW ist verbesserungsbedürftig.

Judith Michaelis

Die Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen in NRW ist verbesserungsbedürftig.

Düsseldorf. Wohnungseinbrüche oder Einbruchsversuche gelten inzwischen als Massenphänomen. Knapp 55 000 Mal schlugen Täter im Jahr 2013 zu. Im ersten Halbjahr 2014 deutete sich zwar nach sechs Jahren erstmals wieder ein leichter Rückgang der Fallzahlen an. Allerdings bleibt die Aufklärungsquote mit 16,2 Prozent äußerst niedrig. Konkret bedeutet das: In fünf von sechs Fällen bleiben die Täter unentdeckt.

Aus Sicht des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in NRW könnten deutlich mehr der häufig aus dem Ausland einreisenden Täter dingfest gemacht werden – durch mehr Personal und eine bessere Ausbildung der Kripobeamten. „Es gibt einen ganz simplen Zusammenhang: Die Zahl der Polizisten sinkt, aber die Zahl der Fälle ist in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen“, sagt Sebastian Fiedler, NRW-Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter.

Unter den etwa 8500 Kriminalbeamten im Land seien 355 für die Bearbeitung von Einbrüchen zuständig. „Jeder von ihnen hatte im Jahr 2012 durchschnittlich 152,5 Fälle auf dem Tisch.“ Allerdings würden diese Mitarbeiter auch noch weitere Aufgaben wahrnehmen.

Um die Aufklärungsquote bei Einbrüchen deutlich zu erhöhen, hält Fiedler zwei Hauptaspekte für wichtig: Zum einen stellt das Land NRW seiner Ansicht nach zu wenig Kriminalbeamte ein. „Seit dem Jahr 2000 haben wir durch Pensionierungen und zu geringe Neueinstellungen insgesamt 1000 Kriminalbeamte verloren. Dabei bräuchten wir 2000 Leute zusätzlich“, erklärt er. Seit längerem fordert der Bund Deutscher Kriminalbeamter in NRW , dass der Anteil der Kriminalbeamten am Gesamtbestand der Polizei erstmals seit 1980 wieder angehoben wird – von derzeit 22 auf 26 Prozent.

Als zweite wichtige Säule bezeichnet Fiedler die Ausbildung. In anderen Bundesländern gebe es Studiengänge mit kriminaltechnischen Schwerpunkten. In Nordrhein-Westfalen absolvieren Streifenpolizisten laut Fiedler lediglich zwei Praktika und eine zehnwöchige Fortbildung. Das trage kaum zu einer fachlichen Spezialisierung der Kollegen bei.

Die CDU-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag bringt das Thema heute im Innenausschuss erneut aufs Tapet. Sie fordert ebenfalls eine personelle Aufstockung der Kripo sowie eine Gesamtstrategie, um schlagkräftiger gegen internationale Banden vorgehen zu können.

Das Innenministerium verweist dagegen auf sein Präventionsprogramm „Riegel vor“ für Haus- und Wohnungsbesitzer sowie das Konzept „Mobile Täter im Visier“, mit dem die NRW-Polizei gegen Einbrecherbanden vorgeht. Neueinstellungen im größeren Rahmen seien derzeit nicht geplant.

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