Frank-Walter Steinmeier reitet Attacken gegen Jürgen Rüttgers.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.

dpa

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier.

Gelsenkirchen. Die Meinungsforscher haben es noch nicht registriert, aber Frank-Walter Steinmeier ist sich sicher: "Der Wind dreht sich." Natürlich für seine SPD, mit der der Außenminister im Herbst Kanzler werden möchte. Das anzugehen, bedarf es einer gehörigen Portion Mut.

Den versuchte Steinmeier sich selbst und rund 150 Mandatsträgern der NRW-SPD bei einer Konferenz in Gelsenkirchen zu machen. Sein Mittel: Attacken gegen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) einerseits und gegen die Ordnungspolitiker in der Union andererseits.

Nur wenige Kilometer vom Bochumer Opel-Werk entfernt, in dem 5000 Mitarbeiter um ihre Zukunft bangen, gab sich Steinmeier als Hüter der Automobilbranche: "Wenn wir unsere industriellen Arbeitsplätze nicht schützen und sie wegen der Krise wegbrechen, sind sie für immer weg.

Deshalb müssen wir helfen", sagte Steinmeier, der auch eine direkte Staatsbeteiligung nicht auschloss. Denn es gehe "nicht um die Ludwig-Erhard-Medaille" oder das "ordungspolitische Reinheitsgebot", sondern um schnelles Eingreifen. Und an diesem Punkt versuchte Steinmeier Rüttgers in die Pflicht zu nehmen. "Wenn Sie wirklich helfen wollen, dann machen Sie bitte auch Ihrer CDU und CSU klar, dass wir helfen müssen."

Der Außenminister kokettiert mit seiner ostwestfälischen Herkunft

Bislang erschöpfe sich Rüttgers Beitrag bei Opel lediglich in öffentlichkeitswirksamen Auftritten und Interviews, die ohne Konsequenzen blieben. Im Gegenteil: Die Ordnungspolitiker wie etwa der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bestimmten derzeit die Diskussion in der Union.

Das kam gut auf der allerdings nur durchwachsen besuchten Konferenz. Es war der erste große Auftritt Steinmeiers vor der NRW-SPD. Wenn daraus eine innigere Beziehung wird, wäre das aber nur eine Liebe auf den zweiten Blick. Denn noch vor Jahresfrist, als es die ersten Diskussionen um den damaligen Parteichef Kurt Beck gab, war Steinmeier bei den Genossen an Rhein und Ruhr nicht wohlgelitten: Sie standen hinter Beck und warfen Steinmeier Lavieren vor. Vergeben, aber nicht vergessen.

Steinmeier kokettierte gestern wiederholt mit seiner ostwestfälischen Herkunft - er stammt aus dem Örtchen Brakelsiek. Seine Botschaft: "Ich bin einer von Euch." Auch ein Zweckbündnis braucht eine emotionale Verpackung.

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