Rückkehrer aus dem Krieg sorgen für Radikalisierung, indem sie Netzwerke bilden.

Bei Demonstrationen wie in Solingen und Bonn lieferten sich Salafisten Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Bei Demonstrationen wie in Solingen und Bonn lieferten sich Salafisten Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Bei Demonstrationen wie in Solingen und Bonn lieferten sich Salafisten Auseinandersetzungen mit der Polizei.

dpa

Bei Demonstrationen wie in Solingen und Bonn lieferten sich Salafisten Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen steht im Visier des Salafismus. „Das zeigt der versuchte Bombenanschlag auf dem Bonner Hauptbahnhof“, sagte Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2012. Die Bewegung hat Zulauf und auch die Gefährlichkeit des Extremismus nimmt zu. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wo sehen die Verfassungsschützer eine besondere Gefahr?

Als besonders gefährlich stufen die Verfassungsschützer die steigende Zahl junger Salafisten ein, die versuchen, in die Kriegsgebiete in Syrien zu reisen, um dort für islamistische Gruppen zu kämpfen. Waren es im gesamten vergangenen Jahr rund 40 Personen, sind es auch im bisherigen Jahr 2013 bereits mehr als 20 Männer unter 30 Jahren. Im Gegenzug kehrten pro Jahr weniger als zehn Kämpfer nach NRW zurück.

Was macht diese „Heimkehrer“ so problematisch?

„Die Rückkehrer aus den Kampfgebieten stellen ein besonderes Sicherheitsrisiko dar“, erklärt Jäger. Sie gelten in ihrem Umfeld als charismatische Autoritäten und bilden rasch Netzwerke. Ihr Wort habe bei der Radikalisierung des Nachwuchses in NRW besonderes Gewicht. Deswegen werden sie vom Verfassungsschutz intensiv beobachtet.

Können die Reisen in Kriegsgebiete verhindert werden?

Nicht absolut. „Wenn Kenntnisse über geplante Reisen vorliegen, kann der Reisepass entzogen werden“, sagt Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier. Die Maßnahme gelte für drei Monate und werde dann erneut überprüft. Zugleich werde eine Grenzfahndung für die potenziellen Dschihadisten ausgeschrieben. Allerdings könnten die Personen immer noch über Schleuser oder die „grüne Grenze“ ins Kampfgebiet kommen. Zudem kann man allein mit dem Personalausweis in die Türkei reisen. „Und den zu entziehen, ist schon erheblich schwerer“, räumt Freier ein.

Was zieht die Kämpfer nach Syrien?

Reisten Dschihadisten 2009 noch vermehrt ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet, zieht es sie jetzt nach Syrien. Dort werden sie nach Erkenntnissen des Landesverfassungsschutzes leichter integriert. Zudem ist die Einreise über die Türkei und Ägypten erheblich einfacher. Weitere Ziele sind Mali und Somalia.

Haben die Salafisten aus NRW auch Kontakte zu Al Kaida?

Schulen, Sozialämter, Jugendberatungsstellen, aber auch Moscheevereine und Imame sollen künftig enger zusammenarbeiten, um Jugendliche vor dem Abgleiten in den Salafismus zu bewahren. Das Projekt „Wegweiser“ soll ein Netzwerk aus diesen kommunalen und privaten Stellen knüpfen, das ein vom Land bezahlter Ansprechpartner koordiniert. Dort bekommen auch Familienangehörige, Freunde und Bekannte von Betroffenen Hilfe. Diese hatten bisher oft beim Verfassungsschutz angerufen.

Vorreiter werden Düsseldorf, Bonn und Bochum sein. „Dort knüpfen wir an bereits vorhandene Strukturen an und können zügig Erfahrungen sammeln“, begründet Innenminister Ralf Jäger die Auswahl.

Ähnlich wie das Aussteigerprogramm für Rechtsextreme soll auch „Wegweiser“ potenziellen Aussteigern Hilfe beim Verlassen der radikalen Szene anbieten.

Es gibt zumindest Überschneidungen. Laut Verfassungsschutz-Chef Freier bildet Al Kaida die global übergreifende Ideologie für den Kampf gegen den Westen. Salafismus ist hingegen eine sehr rückwärtsgewandte Form des Islams, die ihre Wurzeln im arabischen Raum hat, sich zunehmend aber auch in Deutschland entwickelt.

Welche Rolle spielen Frauen im radikalen Salafismus?

Auch wenn sie nicht als Kämpfer agieren, stehen Frauen den Männern in Sachen Radikalität in nichts nach. Neben der Unterstützung für die Kämpfer sind sie vor allem im Internet aktiv. „Es gibt spezielle Chats und Foren für Frauen, die für Propaganda und Radikalisierung genutzt werden“, analysiert Freier.

Was spricht gegen eine Ausweisung von Islamisten?

Der Salafismus hat einen Trend zur „Eindeutschung“. Mindestens die Hälfte der Anhänger sind deutsche Staatsangehörige. 90 Prozent sind Migranten der zweiten bis vierten Generation. Jeder Zehnte ist Konvertit. Eine Ausweisung ist kaum möglich.

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