Die Rädelsführer von Fangewalt sollen gezielter beobachtet werden. Vor Gericht gilt nicht mehr das Tatortprinzip.

Hooligans gegen Salafisten

Dpa

Düsseldorf. Nordrhein-Westfalen geht ab sofort gezielter gegen Intensivtäter bei Krawallen am Rande von Fußballspielen vor. In einem von Experten entwickelten Konzept soll von jedem Täter im Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg ein Profilbild erstellt werden – mit allen Informationen, Vorstrafen, laufenden Verfahren und Ermittlungen.

„Wir nehmen die Intensivtäter von Krawallen in Manndeckung, weil die Rädelsführer das größte Problem sind“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Donnerstag. Ziel ist laut Justizminister Thomas Kutschaty (beide SPD), durch eine Verbesserung der Koordination „noch schneller reagieren und Täter umfänglich zur Rechenschaft ziehen zu können“.

Ein Drittel aller Erstliga-Teams ist aus Nordrhein-Westfalen

Das bundesweite Programm setzt NRW als erstes Land um. Nicht ohne Grund: Nordrhein-Westfalen stellt mit sechs Mannschaften ein Drittel aller Bundesliga-Klubs. Laut Jäger soll sich die „Manndeckung“ auf 150 bekannte Intensivtäter in NRW konzentrieren, im Bundesgebiet seien rund 500 solcher Intensivtäter bekannt, die wiederholt im Umfeld von Fußballspielen schwerwiegende Straftaten begehen.

Der Plan: Das zuständige Gericht soll künftig möglichst das am Wohnort sein. Zuvor galt das Tatortprinzip.

Bislang war es für einen Richter an einem Auswärts-Spielort oft nicht erkennbar, ob ein hochgradig krimineller Hooligan vor ihm steht oder ein braver Schlachtenbummler, der unabsichtlich in eine Schlägerei geraten ist. Denn bis eine Straftat im Bundeszentralregister auftaucht, vergehen oft Jahre.

Sowohl die Polizeigewerkschaften als auch die Deutsche Fußball-Liga begrüßten die Initiative, auf die sich alle Innen- und Justizminister Ende des vergangenen Jahres geeinigt hatten. „Damit stehen die Richtigen im Fokus“, sagte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig.

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