Angesichts der anhaltenden Proteste sieht das Land vor allem die Hochschulen in der Pflicht. Zusätzliches Geld soll es aber nicht geben.

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Am Mittwochm Morgen räumte die Polizei den Hörsaal der Düsseldorfer Uni. Er war über Tage von Studenten besetzt.

Am Mittwochm Morgen räumte die Polizei den Hörsaal der Düsseldorfer Uni. Er war über Tage von Studenten besetzt.

Judith Michaelis

Am Mittwochm Morgen räumte die Polizei den Hörsaal der Düsseldorfer Uni. Er war über Tage von Studenten besetzt.

Düsseldorf. Die massiven Studentenproteste zeigen weiter Wirkung bei der Politik. Der nordrhein-westfälische Hochschulminister Andreas Pinkwart (FDP) forderte am Mittwoch die Unis auf, mehr Professoren einzustellen. "Dafür haben die Hochschulen auch genügend Geld", lehnte der Minister Forderungen nach zusätzlichen Mitteln ab.

Pinkwart musste seine Rede in Duisburg zunächst abbrechen

Pinkwart, der in der vergangenen Woche von der ersten großen Protestwelle während einer China-Reise überrascht wurde, suchte am Mittwoch den direkten Kontakt zu den Studenten. Am Nachmittag musste er eine Rede im größten Hörsaal der Duisburger Uni abbrechen, weil er von lautstarken Demonstranten gestört wurde. Abends lief es dann friedlicher. In der Düsseldorfer Uni hatte die Polizei bereits morgens einen Hörsaal geräumt, der seit einer Woche von rund 50 Studenten besetzt wurde. Die Aktion verlief ohne große Zwischenfälle.

Der Protest der Studenten richtet sich gegen die Umsetzung des sogenannten Bologna-Prozesses, der die europaweit vergleichbare Einführung der Bachelor- und Master-Studienabschlüsse vorsieht. Pinkwart verteidigte am Mittwoch auch vor der Presse diese Reform. "Der Bologna-Prozess ist wichtig und gut", so Pinkwart. Er kritisierte jedoch, dass die Zahl der Professoren stagniere.

Den Unis stünden verglichen mit 2005 rund 600 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Da seien genügend Spielräume vorhanden, um in Lehre und Studium zu investieren und für einen Studienerfolg während der Regelstudienzeit zu sorgen. Derzeit liegt die Quote allerdings erst bei 28 Prozent, auch wenn sie zuletzt gestiegen ist.

Am Donnerstag will Pinkwart mit den Hochschulrektoren reden und über Korrekturen am Studiensystem diskutieren. Ziel müsse es sein, "bereits bis zum Ende des laufenden Wintersemesters zu spürbaren Veränderungen zu kommen", sagte Pinkwart. Er zeigte sich auch bereit, weiter mit den Studenten zu reden. Diesen Dialog lasse er sich nicht von "einer Handvoll Krawallmacher" nehmen.

Noch nie haben in Deutschland so viele junge Menschen ein Studium begonnen wie in diesem Jahr: Insgesamt schrieben sich 423.400 Frauen und Männer erstmals für ein Studium an einer Hochschule ein. Das sind knapp sieben Prozent mehr als 2008, meldete das Statistische Bundesamt gestern. Die Zahl aller Studenten stieg damit auf rund 2,13 Millionen.

Auch zwischen Rhein und Weser schreiben sich immer mehr junge Leute ein: 90.000 in diesem Jahr - 7,7 Prozent mehr als 2008.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) widersprach Pinkwarts Einschätzung, es sei genügend Geld vorhanden. Tatsächlich leide gerade in NRW das Studium unter einer chronischen Unterfinanzierung. GEW-Landeschef Andreas Meyer-Lauber forderte, dass überladene Studienpläne, Prüfungsstress und fehlende Durchlässigkeit beim Übergang vom Bachelor- auf den Masterstudiengang nun auf den Prüfstand gehörten.

Die SPD im Landtag verlangte von der Landesregierung neue finanzielle Anreize, damit sich für Professoren gute Lehrer genauso lohne wie gute Forschung. Die Grünen wiederum forderten eine große Konferenz, auf der alle Beteiligten aus dem Hochschulbereich über Lösungsansätze diskutieren.

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