Düsseldorf/Münster (dpa).  Die nordrhein-westfälische Justiz sucht fieberhaft nach einem Therapieplatz für den Sexualstraftäter, der wegen einer Justizpanne nicht in Sicherungsverwahrung musste. «Wir führen Gespräche um eine dauerhafte Lösung», sagte der Sprecher des Justizministeriums, Ulrich Hermanski, am Montag in Düsseldorf.

Der Mann, der von einem Gutachter als weiterhin gefährlich eingestuft wurde, will sich jetzt freiwillig einer Therapie unterziehen. In der Haft hatte er das abgelehnt. Die Suche nach einem Therapieplatz gestaltet sich aber als schwierig. Die offene Psychiatrie lehnt der Landschaftsverband Westfalen- Lippe als Träger verschiedenster Einrichtungen bislang ab. Hemer als solchen Standort sah er nicht als geeignet an.

Ob sich der 62-Jährige in einer geschlossenen Klinik unterbringen lässt, ist fraglich. Er muss zustimmen. Der Landschaftsverband habe in dieser Richtung die psychiatrische Abteilung des Justiz-Krankenhauses in Fröndenberg vorgeschlagen, sagte ein Sprecher in Münster. Das Ministerium führt derzeit Gespräche mit dem Verband wie auch anderen Trägern. Ziel ist eine Lösung noch in dieser Woche.

Der Mann war nach der Haftentlassung nach Marl im Kreis Recklinghausen gekommen, steht aber inzwischen außerhalb des Kreisgebiets unter Polizeiaufsicht. Am Wochenende hatten 170 rechtsgerichtete Demonstranten in Marl die «Todesstrafe für Kinderschänder» gefordert. 30 linksgerichtete Gegendemonstranten störten die Veranstaltung.

Der 62-Jährige war mehrfach verurteilt worden, unter anderem wegen versuchten Mordes und Kindesmissbrauchs. Das Landgericht Essen hatte ihm eine siebenjährige Haftstrafe auferlegt und sich die Sicherungsverwahrung ausdrücklich vorbehalten. Die Staatsanwaltschaft hätte schon 2007, sechs Monate vor Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe, den Antrag auf Sicherungsverwahrung stellen müssen, tat dies aber nicht.

Einen nachträglichen Unterbringungsbeschluss lehnte das Oberlandesgericht ab, weil die dazu erforderlichen neuen Gründe gefehlt hätten. Auch das neue Gutachten vom Dezember 2009 reichte nicht aus.

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