Anita Lasker-Wallfisch
Anita Lasker-Wallfisch, eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, während einer Gedenkstunde des Bundestags an die Opfer des Nationalsozialismus.

Anita Lasker-Wallfisch, eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, während einer Gedenkstunde des Bundestags an die Opfer des Nationalsozialismus.

Wolfgang Kumm

Anita Lasker-Wallfisch, eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz, während einer Gedenkstunde des Bundestags an die Opfer des Nationalsozialismus.

Anita Lasker-Wallfisch (92) ist „eine der rapide verschwindenden Augenzeugen der damaligen Katastrophe“. So hat sie sich selbst Ende Januar im Bundestag in ihrer Rede zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus bezeichnet. Um den Abgeordneten dann so nüchtern wie klar das zu schildern, was sie als in Breslau geborene Jüdin erlebt und gesehen hat in der NS-Zeit: in Auschwitz und Bergen-Belsen. Am Dienstag wurde die Holocaust-Überlebende von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit dem NRW-Verdienstorden geehrt. Lasker-Wallfisch und eine ihrer beiden älteren Schwester hatten 1942 die Deportation ihrer Eltern miterleben müssen. 1943 wurden die auf sich gestellten Mädchen wegen Fluchtversuchs und Urkundenfälschung verurteilt und kamen nach dem Zuchthausaufenthalt als verurteilte Verbrecher und nicht als Juden nach Auschwitz - aus ihrer Sicht ein Vorteil. Als Cellistin wurde Anita Lasker-Wallfisch Mitglied des Mädchenorchesters Auschwitz.

Nach der Befreiung durch die Alliierten schwor die Musikerin und spätere Mitbegründerin des English Chamber Orchestra, nie wieder deutschen Boden zu betreten. „Mein Hass auf alles, was deutsch war, war grenzenlos“, sagte sie im Januar. Erst 1994 brach sie ihren Schwur und suchte als gefragte Augenzeugin immer wieder das Gespräch mit Schülern, auch in NRW. Dabei hatte sie in ihrer eigenen Familie bis zu ihrem Buch „Ihr sollt die Wahrheit erben“ jahrzehntelang nicht über den Holocaust gesprochen.

Ministerpräsident Laschet dankte Lasker-Wallfisch Dienstagabend in seiner Laudatio dafür, dass sie in Deutschland von ihren Erlebnissen berichtet habe: „Ihre Lebensgeschichte zeigt, wohin es führen kann, wenn ganze Gruppen von Menschen zuerst stigmatisiert und ausgegrenzt und schließlich vollkommen entrechtet werden.“ Laschet zog auch Verbindungen zur Gegenwart: „Unser gesellschaftliches Klima ist auch heute noch zu wenig von Verständigung und zu oft von dem Beharren auf Unterschieden geprägt.“ Lasker-Wallfisch habe einen großen Beitrag dazu geleistet, „damit das Klima in unserer Gesellschaft nicht mehr von Antisemitismus, Rassismus, Hass und Gewalt belastet wird“. er

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer