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Der Nabu schätzt, dass die Privatisierung eine Milliarde Euro in die Landeskasse spülen kann.

Der Nabu schätzt, dass die Privatisierung eine Milliarde Euro in die Landeskasse spülen kann.

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Der Nabu schätzt, dass die Privatisierung eine Milliarde Euro in die Landeskasse spülen kann.

Düsseldorf. Tabubruch im Umweltschutz: Der Staatsforst soll nach Ansicht des Naturschutzbundes (Nabu) in Nordrhein-Westfalen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Damit sollen möglichst viele Bürger zu Waldeigentümern werden.

Diese Art von Privatisierung des rund 120 000 Hektar großen Staatswaldes würde mindestens eine Milliarde Euro in die Landeskasse spülen, heißt es in einem am Montag in Düsseldorf vorgestellten Nabu-Gutachten.

Mit dem Geld dürften aber nicht "Haushaltslöcher gestopft" werden. Es müsse der Umwelt zu Gute kommen. Der Nabu möchte so eine "unkontrollierten Privatisierung" verhindern. Natürliche breche der Nabu damit "ein Tabu", sagte der Landesvorsitzende Josef Tumbrinck.

"Indem wir sagen, Staatswald kann auch - unter den richtigen Rahmenbedingungen - privatisiert werden." Bereits 2009 waren in der Eifel 2600 Hektar Staatswald an einen Privatinvestor veräußert worden. "Das Land hat seine Flächen einfach verkauft, um Geld einzunehmen", kritisierte er.

"Unser Modell ist ein anderes: Es ist nicht, an vermögende Privatleute den Wald zu verkaufen. Sondern wir wollen den Staatswald breitgestreut in eine Aktiengesellschaft umwandeln." Dabei solle die Satzung einer solchen Bürgerwald-AG den Naturschutz sichern. Zum Beispiel soll darin Garantie einer festen Waldfläche in NRW enthalten sein.

Ebenso solle auf Kahlschlag und Chemie verzichtet werden. Man erwäge außerdem, die Aktienmenge je Bürger zu begrenzen, um damit eine möglichst große Zahl an Kleinanleger ansprechen zu können. Um den Wald kümmern soll sich laut Nabu eine neu zu gründende Stiftung, die durch die Einnahmen aus dem Waldverkauf finanziert werden soll. Mitglieder dieser Stiftung sollen auch die Naturschutzverbände sein, die wiederum Förster zur Pflege der Wälder einsetzen.

Das Land müsse dann nicht mehr die Verwaltungskosten aus der Forstwirtschaft tragen, sagte Gutachter Wilhelm Bode: Rund 500 Stellen würden so aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden. Die Arbeitsplätze blieben zwar erhalten, belasteten aber nicht mehr den öffentlichen Haushalt. Nach Vorstellungen des Nabu sollen 80 Prozent der Waldaktien an der Börse gehandelt werden.

Die restlichen 20 Prozent blieben in der Stiftung - als Garant für langfristige Umweltziele. Ebenso gingen 25 000 Hektar Schutzwald an die Stiftung. Laut Bode bräuchte sie damit kein staatliches Geld, sondern könne sich aus sich selbst finanzieren. Außerdem biete die Waldaktie eine gute Vorsorge für das Alter und sei eine sichere Geldanlage. Bode geht von einer Rendite von 2,5 bis 4 Prozent aus.

Außerdem solle die Bürgerwald-AG ihren Gewinn zu 90 Prozent ausschütten. Vonseiten der NRW-SPD gab es bereits eine erste Reaktion. Man wolle die Idee des Nabu "intensiv prüfen", erklärte die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Svenja Schulze, am Montag. Der Vorschlag beinhalte "wichtige Impulse für die Forstpolitik".

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