Der Airbus H 145 ist der neue Star der Hubschrauberstaffel der NRW-Polizei. Die erste Maschine ist nun in Düsseldorf eingetroffen. Wie fliegt es sich mit dem Wundervogel? Ein Selbstversuch.

Der Airbus H 145 ist der neue Star der Hubschrauberstaffel der NRW-Polizei. Die erste Maschine ist nun in Düsseldorf eingetroffen. Wie fliegt es sich mit dem Wundervogel? Ein Selbstversuch.
Die beiden Piloten Thomas Feist (l.) und Heiko Durke beim Tiefflug über dem Rhein.

Die beiden Piloten Thomas Feist (l.) und Heiko Durke beim Tiefflug über dem Rhein.

Der neue Polizei-Hubschrauber H 145 in Aktion.

Ein leicht verkniffener Andreas Reiter vor dem Start.

dpa, Bild 1 von 3

Die beiden Piloten Thomas Feist (l.) und Heiko Durke beim Tiefflug über dem Rhein.

Düsseldorf. Er sieht schon etwas ehrfurchtgebietend aus, der neue Star der Hubschrauberflotte der NRW-Polizei. Blau-silbern glänzt der Airbus H 145 am Düsseldorfer Flughafen in der Sonne. Kurz zuvor hat NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) den „zurzeit besten Helikopter der Welt“ im Hangar voller Stolz der Öffentlichkeit präsentiert. Handicap aus meiner Sicht: Journalisten dürfen eine Runde mitfliegen.

Für jemanden wie mich, der Fliegen schätzt wie Zahnschmerzen, ein eher fragwürdiges Vergnügen. Klar, niemand wird zum Einsteigen gezwungen – aber kneifen ist in diesem Fall ausgeschlossen. Wolfgang Beus, Sprecher des NRW-Innenministeriums und regelmäßiger Ansprechpartner in Sachen Jäger-Ministerium, hat wohl selten so viel Spaß bei einem Pressetermin. Herr Reiter hat Flugangst – und er sichert mir mit seinem breitesten Lächeln einen Platz im Hubschrauber.

„Braucht jemand eine (Brech-)Tüte?“
Thomas Feist, Polizeihauptkommissar und Pilot

Also stehe ich leicht verkniffen vor der geöffneten Tür. „Sie können jetzt einsteigen“, sagt ein Polizist, dann wird es Ernst. Pilot Thomas Feist und sein Copilot Heiko Durke, beide Polizeihauptkommissare, sitzen im High-Tech-Cockpit. Die Zwei sind von der Sorte cooler Typ, das beruhigt etwas. Sieben Plätze sind für Passagiere vorhanden, nur sechs werden besetzt, „damit alle gut sehen können“. Damit hat sich auch der Gedanke erledigt, ob der mittlere Platz in der hinteren Reihe eventuell meiner Flugangst etwas entgegenkommt. Der Platz bleibt leer.

Die Sitze sind mit Hosenträger- und Beckengurten ausgestattet. Pilot Feist sagt, dass für diesen Flug die Beckengurte reichen. Ich werte das als positives Zeichen. Im Ernstfall, wenn hier sieben SEK-Beamte sitzen, geht es nicht so komfortabel zu. Die Hubschrauber können auch bei starkem Wind eingesetzt werden und halsbrecherische Manöver fliegen – oder buchstäblich am Himmel kleben. Zum Beispiel bei Terroranschlägen oder Geiselnahmen können die Männer mit dem Fast-Roping-System blitzschnell aus der Luft abgeseilt werden. Zwei zusammen 2144 PS starke Motoren halten den Helikopter in der Luft an Ort und Stelle, das ist bei den Vorgängermodellen ab einer hohen Windstärke eher schwierig, die haben 800 PS weniger. Die Wärmebildkameras und hochauflösenden Videosysteme können buchstäblich durch Nacht und Nebel schauen. Das ist besonders wichtig, wenn die Polizei Vermisste sucht. Die Heckkamera wiederum ist bei der Rettung von Menschen aus Gewässern ein entscheidender Vorteil. Mehr als 2000 Einsätze fliegen die 35 Piloten der NRW-Fliegerstaffel mit sieben Maschinen pro Jahr. Sie sind rund um die Uhr einsatzbereit.

Es gibt noch zwei weitere positive Zeichen: herrliches Wetter und keinen Wind. Auf der Malusseite steht: Ich will nicht fliegen. Das hilft aber nichts, die Passagiere sollen sich die Kopfhörer aufsetzen. Frage des Piloten vor dem Start: „Braucht jemand eine (Brech-)Tüte?“ Jeder verneint und die Malusseite hat wieder einen Aspekt mehr.

In 500 Metern Flughöhe gibt es einen atemberaubenden Blick

Unter dem Kopfhörer sind die Motorengeräusche geradezu dezent. Ich spüre eher mit dem Bauch, dass sich die Rotorblätter nun immer schneller drehen. PHK Feiste und PHK Durke checken noch einmal die Systeme, dann folgt das Kommando „Take off“. Auch in einem deutschen Polizeihubschrauber ist die Pilotensprache Englisch. Der mehr als zehn Millionen Euro teure Airbus H 145 hebt ab, fliegt vielleicht fünf Meter über dem Boden eine leichte Linkskurve auf das Hauptgebäude des Flughafens zu. „Wir steigen jetzt“, sagt Feist. Die Nase des Helikopters zeigt bei diesem Manöver leicht nach unten, aber der Flughafen wird immer kleiner, also klappt der Steigflug offensichtlich. In 500 Metern Höhe endet dieser – und bietet jenseits der Flughafenautobahn einen atemberaubenden Blick auf Düsseldorf. Der Rhein schimmert silbern, die Brücken sind zum Greifen nah, genauso wie der Landtag und der Rheinturm.

Der Hubschrauber ruckelt kaum, nur wenn es leicht nach oben oder nach unten geht, halte ich kurz die Luft an. Na gut, der Kurvenflug ist noch nicht mein Freund, aber die Piloten haben alles im Griff – und ich auch. Bei einer Fluggeschwindigkeit von 210 Kilometern pro Stunde geht es fast gemütlich zu. Im Einsatz kann der Pilot auf bis zu 244 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Die maximale Flugzeit beträgt drei Stunden, dann sind gut 700 Kilogramm Treibstoff verbrannt. Die Reichweite beträgt 720 Kilometer.

Ein kleiner Brand am Carlsplatz entgeht den Piloten nicht

Besonders eindrucksvoll ist ein Manöver des Piloten: Er fliegt in etwa 30 Metern Höhe über den Rhein. Ein Schiff wird links umflogen, erst vor der Fleher Brücke geht es wieder nach oben. Recht steil, aber so langsam wächst in mir die Erkenntnis, dass Flugangst – zumindest in diesem Fall – völlig unnötig ist. Ich fange sogar an, den Flug zu genießen. Unglaublich.

Die entspannte Situation hat ein jähes Ende für mich, als der Pilot den Hubschrauber plötzlich scharf nach links lenkt. Die Schräglage ist dabei vergleichbar mit der eines Motorrades. Feist hat eine Rauchentwicklung im Bereich Altstadt bemerkt und will nachsehen, was los ist. Später stellt sich heraus, dass ein Kaffeeröstofen einer kleinen Kaffeerösterei auf dem Carlsplatz in Brand geraten war. „Das ist ein gutes Beispiel, wofür der Hubschrauber gut ist“, sagt der Pilot. Die Manövrierfähigkeit ist beim Airbus H 415 deutlich verbessert. Im Notfall ist also Hilfe schneller vor Ort. Nur die enge Kurve hätte für mich etwas großzügiger geflogen werden können.

Aber nach diesem Manöver kehrt meine Zuversicht schnell zurück. Langsam verstehe ich, dass Menschen für solche Rundflüge Geld ausgeben. Unser Flug nähert sich dem Ende. Der Flughafen wird immer größer und die Landefläche erscheint im Blickfeld. Der Flug hat gerade einmal eine gute Viertelstunde gedauert und war 50 Kilometer lang. Der Pilot lenkt den Hubschrauber sanft in Richtung Boden und setzt fast unmerklich auf. „Bitte warten sie, bis die Rotorblätter zum Stillstand gekommen sind“, sagt Feist – und ich habe noch kurz Zeit, mir über die Unnötigkeit von Flugangst Gedanken zu machen. Vielleicht ist ja ein solcher Helikopterflug das beste Mittel dagegen.

Beim Aussteigen keine weiche Knie, rundherum zufriedene Passagiere, das gilt auch für mich. Fehlt nur noch Ministeriumssprecher Beus, um ihm mein neues Flugselbstbewusstsein zu demonstrieren. Aber daraus wird leider nichts, er ist schon weg. Wie meine Flugangst.

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