Bis Sonntag laufen die Messen Jagd & Hund und Fisch & Angel in den Westfalenhallen. Es geht um Menschen und Tiere – irgendwie.

Waidgerechte Funktionsmode in knallorange. Wildtiere haben dennoch Pech: Laut Jagdverband erscheint ihnen die Farbe grün bis gelb und damit natürlich.
Waidgerechte Funktionsmode in knallorange. Wildtiere haben dennoch Pech: Laut Jagdverband erscheint ihnen die Farbe grün bis gelb und damit natürlich.

Waidgerechte Funktionsmode in knallorange. Wildtiere haben dennoch Pech: Laut Jagdverband erscheint ihnen die Farbe grün bis gelb und damit natürlich.

Hübsches vom Hirschen: Maximilian Kolbeck (r.) bietet an seinem Messestand Möbel und Leuchten an, die aus abgeworfenen Geweihen hergestellt sind.

Aquarelle und Kohlezeichnungen von Tieren fertigt Gabriele Laubinger an. Besonders Hunde und Pferde gehen gut.

Bernd Thissen, Bild 1 von 3

Waidgerechte Funktionsmode in knallorange. Wildtiere haben dennoch Pech: Laut Jagdverband erscheint ihnen die Farbe grün bis gelb und damit natürlich.

Dortmund. Ginge es bei der Publikumsgunst nur um den Augenblick, Jörg Strehlow hätte seine Nase weit vorn. Der Mann ist Profiangler und weiß zudem, wie Forelle, Brasse oder Grundel fachgereicht zubereitet werden – nachdem sie im Kescher baumeln. Am Stand des Fischereiverbands NRW ist er für „Catch & Cook“, also Fangen und Zubereiten, zuständig. Bei Strehlow, ist gegen Mittag schwer was los. Möglicherweise liegt es an den Gerüchen, die sein Fisch verbreitet, vielleicht auch an der kumpelhaften Art des kochenden Anglers – er duzt die Zuschauer, die seinen Stand umlagern und auf einen Gratisimbiss hoffen. „Butter verbrennt, die dürft ihr nicht zum Braten nehmen“, sagt er.

80 000 Besucher werden bis Sonntag zu den Messen erwartet

Noch bis Sonntag brät und frittiert Strehlow in Halle 3 A. So lange geht auch die Messe Fisch & Angel, die in Dortmund parallel zur Jagd & Hund läuft. 800 Aussteller präsentieren sich bei Europas größter Jagdmesse in den Westfalenhallen, 80 000 Besucher werden erwartet. Waidmänner und -frauen, mit vierbeiniger Begleitung haben einen Impfausweis mitzuführen – für den Hund.

Ben Boden ist ebenfalls Angler, kocht allerdings nicht, sondern kommt eher viel herum. „Abenteuer Angelreisen“ heißt sein Vortrag samt Diashow. Die Bilder seiner Reise nach Südamerika („Hier unser Landeanflug auf Quito.“) finden nur mäßiges Interesse. Die sieben Angel- und/oder Reisefreunde verlieren sich in den hoffnungsfroh geplanten Stuhlreihen. Wenige Schritte weiter verteilt Strehlow Kostproben, zum Fisch gibt es Blumenkohl. „Passt auf mit den Gräten!“

Vorsicht ist auch im Gelände geboten – bei Treibjagden kann so ein Schuss auch mal den Falschen treffen. Während die Treiber früher in Warnwesten á la Scharia-Polizei gesteckt wurden, haben Hersteller inzwischen nachgerüstet und das Notwendige (Tarnung) mit dem Schützenden (Signalfarbe) kombiniert. Herausgekommen sind quasi orangefarbene Tarnjacken. Am Stand von Forstbekleidung Schmidt gibt es so ein Stück als praktischen Wendeparka für 69 Euro. Als ginge es nicht noch schräger, erzählt der Verkäufer von rosafarbener Jagdkleidung, die schießende Damen in den USA jüngst für sich entdeckt hätten. Ein Trend, der hier wohl kaum ankommen wird: „Deutsche Jäger sind konservativ.“

Ein Trachtenhändler aus Bayern fällt optisch aus der (Jäger-)Rolle

Was der Blick in die Hallen bestätigt. Vor allem Herren in gedeckten Farben sind dort unterwegs, lodengrün und laubbraun sieht man häufig, auch Hüte. Dazwischen steht Florian „Bocki“ Bock am Stand von Trachten Dandla und macht zunächst eins – auffallen. Der 32-Jährige ist großflächig tätowiert, hat dabei Hals und Hände nicht ausgelassen, trägt Lederhose und blonde Dreadlocks. Mit Waffen habe er nicht viel am Hut, sagt er und zeigt auf ein Trachtenjankerl der Marke „Legalize Edelweiß“. Die Firma entwirft in Erding, lässt in Nepal produzieren – nach eigener Aussagen unter fairen Bedingungen – und hat Humor: Unter dem Motto „Legalize Marijuana“ fordern Kiffer seit vielen Jahrzehnten die Legalisierung von Haschisch und Marihuana. Das Edelweiß ziert überdies nicht nur alpenländische Trachtenmode, sondern auch das Logo der Antiterrortruppe GSG 9.

Die Messen Jagd & Hund sowie Fisch &  Angel laufen noch bis Sonntag in den Westfalenhallen Dortmund (Westfalenhallen 3B – 8). Geöffnet: 10 bis 18 Uhr. Tageskarten kosten 17/11/6 Euro (Erwachsene/ermäßigt/Kinder).

Am Freitag ab 12 Uhr treten in Messehalle 4 insgesamt 16 Teilnehmer zur deutsche Meisterschaft der Hirschrufer an. Jüngster Kandidat ist 13-jährige Nils Aßmus aus Niedersachsen.

Mehr mit schönen Dingen als mit modischen Anspielungen beschäftigt sich Familie Kolbeck aus dem Bayerischen Wald. Aus Hirschgeweihen fertigt sie Möbel und Lampen. Den Glastisch aus vier Geweihstangen, sprich zwei Hirschen, gibt es für 750 Euro, ein Ausstellungsstück. Die Tiere kommen für die Designstücke übrigens nicht zu schaden, Kolbecks verarbeiten sogenannte Abwurfstangen – kein Jägerlatein, sondern Fachausdruck für abgeworfene Geweihe.

Gänzlich unschädlich ist auch Gabriele Laubingers Profession. Die Porträtmalerin aus Herne hat sich vor 20 Jahren von Menschen auf Tiere – vor allem Hunde und Pferde – verlegt. Nach Fotos entstehen Kohlezeichnungen (250 Euro) oder Aquarelle (400 Euro). Ist der Hund ein Pferd, kommen noch 50 Euro obendrauf. Mindestens 300 Dackelporträts hat Laubinger bereits angefertigt. Kennste einen Dackel, kennste alle? Von wegen! „Auch Dackel haben ihr eigenes Gesicht.“

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