In der tief verunsicherten NRW-CDU empfiehlt sich Armin Laschet als neue starke Führungsfigur. Der Mann, der Chef des größten CDU-Landesverbands werden will, spricht jetzt offen über Röttgens Fehler.

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Die fröhliche Stimmung ist abgekühlt: Jetzt rechnet Armin Laschet (l) mit seinem ehemaligen Konkurrenten Norbert Röttgen ab.

Die fröhliche Stimmung ist abgekühlt: Jetzt rechnet Armin Laschet (l) mit seinem ehemaligen Konkurrenten Norbert Röttgen ab.

Bernd Thissen

Die fröhliche Stimmung ist abgekühlt: Jetzt rechnet Armin Laschet (l) mit seinem ehemaligen Konkurrenten Norbert Röttgen ab.

Düsseldorf (dpa).  Zweieinhalb Wochen nach dem Wahldebakel der CDU in Nordrhein-Westfalen rechnet der designierte Landesvorsitzende, Armin Laschet, jetzt mit dem Wahlkampf von Norbert Röttgen ab. Röttgens Abkehr von Sparvorschlägen der Landtagsfraktion und sein Eintreten für eine höhere Pendlerpauschale seien falsch gewesen, sagte Laschet der Tageszeitung «Die Welt».

Damit ging der 51-Jährige, der am 30. Juni zum neuen Parteichef gewählt werden will, erstmals klar auf Gegenkurs zu Röttgen. «Im Wahlkampf kann man schlecht den Kurs des Spitzenkandidaten kritisieren», sagte Laschet. «Aber weil ein paar Mineralölkonzerne kurzfristig verrückt spielen, darf der Staat nicht schuldenfinanziert die Pendlerpauschale erhöhen.»

Der damalige Bundesumweltminister Röttgen hatte sich - gegen den Kurs der Kanzlerin - für eine höhere Pendlerpauschale stark gemacht. Laschet kritisierte in der «Welt»: «Das ist ein Eingriff ins Marktgeschehen, bei dem wir Milliarden ausgeben und den Mitnahmeeffekt für Mineralölkonzerne erleichtern. Das ist ordnungspolitisch falsch.»

Ähnlich rigoros geht Laschet mit Röttgens Wahlkampf zum Thema Schulden ins Gericht: «Es war richtig, auf das Thema Verschuldung zu setzen. Aber man muss ein solches Thema auch unterlegen mit Sparvorschlägen.» Die CDU-Landtagsfraktion hatte im März Sparvorschläge von insgesamt 2,5 Milliarden Euro in den Landtag eingebracht. Röttgen hatte dann im Wahlkampf die dort vorgesehene Wiedereinführung von Gebühren für das letzte Kindergartenjahr und das Studium kassiert.

«Kita-Beitragsfreiheit ist Geldverschwendung», betonte Laschet. Stattdessen müsse mehr Geld in Qualität und eine bessere Bezahlung der Erzieherinnen investiert werden. «Es ist doch absoluter Luxus, Beitragsfreiheit mit Schulden zu finanzieren und dadurch die finanziellen Spielräume eben dieser Kinder später einzuengen», sagte der ehemalige Familienminister. «Das ist höchst unmoralisch. Wir können uns keine neuen Sozialleistungen erlauben, die schuldenfinanziert sind.»

Laschet ging auch auf Distanz zu seinem früheren Kabinettschef Jürgen Rüttgers (CDU), der 2010 die Regierungsmacht an eine rot-grüne Minderheitsregierung verloren hatte. «Viele wirtschaftsnahe bürgerliche Kreise hat schon die Johannes-Rau-Rhetorik in der Vergangenheit verunsichert», stellte er fest. Der Verlust der CDU an Wirtschaftskompetenz sei dramatisch.

Zur Stimmung in der NRW-CDU nach dem Absturz auf 26,3 Prozent bei der Landtagswahl sagte Laschet: «Es gibt großen Ärger und tiefe Frustration und den Wunsch nach Geschlossenheit.»

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