Der Landarztmangel herrscht auch in NRW: Rund 600 Praxen stehen leer. Patienten müssen häufig weite Wege in Kauf nehmen, bis sie behandelt werden. Ein Dorf warb sogar mit Würstchen bundesweit um einen Arzt.

Untersuchung beim Landarzt
Kranke haben in einigen Regionen Deutschlands einen weiten Weg bis zum Arzt.

Kranke haben in einigen Regionen Deutschlands einen weiten Weg bis zum Arzt.

dpa

Kranke haben in einigen Regionen Deutschlands einen weiten Weg bis zum Arzt.

Münster (dpa) - Die von der Bundesregierung beschlossenen Anreize für Ärzte in der Provinz sind auch in Nordrhein-Westfalen offensichtlich bitter nötig. Zwischen Rhein und Weser sind laut den Kammern rund 600 Praxen verwaist.

Und das ist wohl erst der Anfang. «In 10 bis 15 Jahren wird die Situation katastrophal», sagte Volker Heiliger, Sprecher der Ärztekammer Westfalen-Lippe am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Schon zeichnen sich nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Brennpunkte ab.

«Unser Sorgenkind ist der Kreis Borken, wo 41 Stellen unbesetzt sind», sagte KVWL-Sprecher Christopher Schneider. Auch im Hochsauerlandkreis sei Nachwuchs an Hausärzten rar. In anderen Teilen von Nordrhein-Westfalen seien besonders der Oberbergische Kreis und die Eifel betroffen, so die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein.

Das am Mittwoch in Berlin beschlossene Versorgungsgesetz bewerten die Kassenärzte in Westfalen-Lippe geteilt. Es sei zu begrüßen, dass die aus den 90er Jahren stammende Bedarfsplanung für Ärzte ersetzt werde. «Aber wir sind unzufrieden damit, dass die Vergütung für Ärzte in Nordrhein-Westfalen nicht angehoben wurde», so Sprecher Schneider.

Ein großes Problem ist die Altersstruktur. Rund 40 Prozent der Hausärzte seien schon heute älter als 60 Jahre, sagte Schneider. «Das bedeutet, dass rund 2000 Hausärzte in Westfalen in den nächsten fünf Jahren einen Praxisnachfolger suchen.» Blieben die Stellen unbesetzt, entstünden schwerwiegende Versorgungsprobleme. Bei rund 1000 Fällen im Quartal pro Hausarzt müssten dann zwei Millionen Patienten von anderen Ärzten «aufgefangen» werden.

«Der Ärztemangel lässt sich nicht wegdiskutieren», sagte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. Dies werde insbesondere in den ländlichen Regionen immer gravierender und dürfe nicht verharmlost werden. «Vor allem für ältere Leute sind Wege bis zu zehn Kilometern zur nächsten Gemeinde mit Hausarzt ein Problem», sagte der westfälische Ärztekammer-Sprecher Heiliger.

Einige Kleinstädte und Dörfer gehen auf der Suche nach einem Landarzt ungewöhnliche Wege. Der 2250-Seelen-Ort Lette bei Warendorf zum Beispiel warb bundesweit mit einem Willkommenspaket: vom Gratis-Haarschnitt, kostenlosen Würstchen und anderen Privilegien, wenn denn nur ein neuer Landarzt kommt.

Seit dem vergangenen Herbst hat Lette keinen Hausarzt mehr. Einheimische mussten seither bei Gesundheitsproblemen mehrere Kilometer fahren. Jetzt hat immerhin ein Heilpraktiker angebissen. Er will im Oktober eine Praxis eröffnen.

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