Kopten
In der Nacht zum 7. Januar beginnen die Weihnachtsfeiern der orthodoxen, also auch der koptischen Christen weltweit. Experten befürchten, dass die Kopten auch in Deutschland dann Ziel von Terroristen werden könnten.

In der Nacht zum 7. Januar beginnen die Weihnachtsfeiern der orthodoxen, also auch der koptischen Christen weltweit. Experten befürchten, dass die Kopten auch in Deutschland dann Ziel von Terroristen werden könnten.

dpa

In der Nacht zum 7. Januar beginnen die Weihnachtsfeiern der orthodoxen, also auch der koptischen Christen weltweit. Experten befürchten, dass die Kopten auch in Deutschland dann Ziel von Terroristen werden könnten.

Höxter/Düsseldorf. Angesichts einer möglichen Gefährdung der deutschen Kopten ist das Koptisch-Orthodoxe Kloster in Höxter unter Polizeischutz gestellt worden. „Die Kreispolizeibehörde und der Staatsschutz führen angemessene Schutzmaßnahmen durch“, hieß es am Dienstag in einer Erklärung der Kreispolizei Höxter.

Welche Maßnahmen getroffen wurden, könne aus taktischen Gründen nicht weiter erläutert werden. Es lägen jedoch keine Hinweise auf eine Gefährdung von Personen oder Objekten vor, hieß es. Dies gelte auch für das bevorstehende Weihnachtsfest, das am 6./7. Januar gefeiert wird.

„Dennoch nehmen wir die Sorgen und Ängste der Kopten im Kreis Höxter sehr ernst“, sagte Landrat Friedhelm Spieker (CDU) laut der Mitteilung. Auch mit Bischof Anba Damian, dem Oberhaupt der Kopten in Deutschland, wollte die Polizei Kontakt aufnehmen und weitere Verhaltensmaßnahmen mit ihm absprechen.

In Düsseldorf befindet sich die Polizei nach Angaben einer Sprecherin schon seit längerem in engem Kontakt mit der koptischen Gemeinde. „Alle Sicherheitsbehörden tauschen sich regelmäßig aus“, sagte sie. Zu etwaigen Sicherheitsmaßnahmen machte sie keine Angaben.

In Nordrhein-Westfalen leben rund 300 koptische Familien. „Die Polizei kümmert sich bei uns um die Lage“, berichtete der Priester Abuna Tawadros in Düsseldorf. „Sie hat unsere Gemeinden angerufen und sammelt Informationen, ob Sicherheitsmaßnahmen anlässlich unseres Weihnachtsfests ergriffen werden müssen.“

In Deutschland leben nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 6000 Kopten, nach einer Zählung der Kirche sind es rund 10 000. Sie gehören zehn Hauptgemeinden an. Die älteste und größte Gemeinde befindet sich in Frankfurt/Main, die zweitgrößte in Düsseldorf. Weitere Gemeinden gibt es in Berlin, Hamburg, München, Hannover, Stuttgart, Bremen, Nürnberg und Bitburg.

Nach Angaben des Düsseldorfer Priesters Boulos Shehata gibt es außerdem zwei koptische Klöster in Kröffelbach (Hessen) und Höxter (Nordrhein-Westfalen), wo auch Bischof Anba Damian lebt. Damian ist oberster Repräsentant der koptischen Kirche in Deutschland. Das weltweite Oberhaupt der Kopten ist seit 1971 Papst Schenuda III., Patriarch von Alexandria. Weltweit wird die Zahl der Kopten auf etwa 10 bis 15 Millionen geschätzt.

Der Überlieferung nach gründete der Evangelist Markus die Kirche in Ägypten vor rund 2000 Jahren. Die eigentliche koptisch-orthodoxe Kirche entstand nach dem Konzil von Chalkedon im Jahre 451. Damals unterlag der Patriarch von Alexandria im dogmatischen Streit um die Natur Jesu Christi.

Insgesamt 300 Familien koptischen Glaubens leben in Nordrhein-Westfalen. Sie gehören der Hauptgemeinde in Düsseldorf an. Aufgrund der großen Entfernungen gibt es aber Zweiggemeinden in Dortmund, Wuppertal, Bielefeld und Bonn. Auch in Aachen leben zeitweise Kopten, vor allem Studenten. Zwei Pfarrer, Boulos Shehata und Abuna Tawadros, betreuen die Gläubigen in NRW. „In Düsseldorf haben wir unsere eigene Kirche, in der wir Gottesdienste feiern“, sagte Tawadros der Nachrichtenagentur dpa. „In den anderen Städten sind wir bei katholischen oder evangelischen Gemeinden zu Gast.“

An die Absage der Feierlichkeit denkt er nicht: Denn grundsätzliche fühle sich die Gemeinde in Nordrhein-Westfalen sicher. Dennoch geht der aus dem Süden Ägyptens stammende Tawadros davon aus, dass einige Familien nicht zum Weihnachtsgottesdienst kommen werden: „Manche trauern um die Opfer in Alexandria, manche haben vielleicht zu große Angst.“

Auch das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen wollte keine Einzelheiten zu Sicherheitsmaßnahmen nennen. „Es gibt bisher keine Hinweise auf eine konkrete Gefährdung koptischer Gemeinden in Nordrhein-Westfalen“, sagte LKA-Sprecher Frank Scheulen. Das Bundeskriminalamt hatte an Weihnachten aufgrund einer „allgemeinen Anschlagsdrohung“ im Internet gegen die koptische Kirche unter anderem auch in Deutschland die Landeskriminalämter informiert.

Bei einem Bombenattentat vor einer koptischen Kirche im ägyptischen Alexandria waren in der Neujahrsnacht 21 koptische Christen getötet worden. Unterdessen hat die rheinische Kirche ihre Solidarität mit den koptischen Christen in Deutschland bekundet.

Mit „großem Erschrecken und Anteilnahme“ habe man auf das Attentat reagiert, teilte die Evangelische Kirche im Rheinland in Düsseldorf mit. Die Kirche sei in Gedanken und Gebeten bei den Angehörigen und Familien in Ägypten, schrieb die evangelische Oberkirchenrätin Barbara Rudolph in einem Kondolenzschreiben an Bischof Anba Damian.

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