Die Helfer in den Kältebussen nehmen Menschen ohne festen Wohnsitz auf und bringen sie zu Notunterkünften.

Die Helfer in den Kältebussen nehmen Menschen ohne festen Wohnsitz auf und bringen sie zu Notunterkünften.
In der kalten Jahreszeit ist es für Obdachlose besonders gefährlich auf der Straße. Archiv

In der kalten Jahreszeit ist es für Obdachlose besonders gefährlich auf der Straße. Archiv

dpa

In der kalten Jahreszeit ist es für Obdachlose besonders gefährlich auf der Straße. Archiv

Düsseldorf/Krefeld/Wuppertal. Die Temperaturen fallen unter null Grad – für Menschen ohne festen Wohnsitz bedeutet das ein tödliches Risiko. Damit sie die Nächte nicht auf der Straße verbringen müssen, gibt es verschiedene Notunterkünfte, in denen die Obdachlosen sich aufwärmen können. In einigen Städten in unserem Verbreitungsgebiet fahren zusätzlich sogenannte Kältebusse Patrouille, bringen die Obdachlosen zu den Schlafstellen und versorgen sie mit warmer Kleidung, Decken und Schlafsäcken.

„Da krieg ich Wut, wenn Leute mitten in der Nacht anrufen, nur um zu gucken, ob die Nummer rund um die Uhr besetzt ist.“

Horst Renner, Krefelder Verein Nothilfe Mensch

In dem sozialen Netzwerk Facebook kursieren seit geraumer Zeit Bilder und Meldungen einer Auflistung von Kältebus-Nummern verschiedener Städte, die im Notfall kontaktiert werden können. Was als Akt der Nächstenliebe gedacht ist, kann allerdings kontraproduktiv sein, denn einige Anrufer wollen nur die Erreichbarkeit der Einrichtung prüfen, weiß Horst Renner, zweiter Vorsitzender des Krefelder Vereins Nothilfe Mensch: „Da krieg ich eine Wut, wenn Leute mitten in der Nacht anrufen, nur um zu gucken, ob die Nummer rund um die Ihr besetzt ist.“

Seit vielen Jahren kümmert er sich ehrenamtlich um den Kältebus, der in der kalten Jahreszeit jede Nacht durch die Krefelder Innenstadt und Umgebung fährt. Wenn ihm und seinem Team dabei Hilfsbedürftige auffallen, wird im Ernstfall auch schon mal der Notarzt gerufen. Ansonsten werden Decken, heißer Tee und warme Speisen ausgegeben. Dabei gibt es eine festgelegte Route mit fixen Haltepunkten, die angefahren werden – und die die Betroffenen laut Aussagen von Renner auch kennen.

„Wir sind aber kein Obdachlosen-Taxi, das die Menschen zu den Notunterkünften kutschiert“, betont der zweite Vorsitzende. Viele Bürger würden nur anrufen, um ihr Gewissen zu beruhigen. „Wenn jemand tatsächlich helfen will, sollte er die betroffene Person direkt ansprechen. Wenn jemand ernsthaft in Not ist, muss der Rettungsdienst gerufen werden und nicht der Kältebus.“

In Wuppertal gibt es keinen speziellen Kältebus, der durch die Stadt fährt. Allerdings hat die Verwaltung eine Hotline eingerichtet, bei der Bürger rund um die Uhr Menschen melden können, die Hilfe brauchen. Tagsüber ist die Nummer mit dem Ordnungsamt verbunden, nachts werden die Anrufe an die Feuerwehr weitergeleitet.

Sozialarbeiterin Julia Kasprzyk ist während der Einsätze montags bis donnerstags bis 1 Uhr unter der Telefonnummer 01578/35 05 15 2 zu erreichen.

Die Mitarbeiter der Kälte-Hotline der Stadt Wuppertal sind unter der Nummer 0202/563-4020 rund um die Uhr für die Bürger erreichbar.

Der Verein Nothilfe Mensch und der dazugehörige Kältebus können unter der Mobilfunknummer 0163/14 52 811 kontaktiert werden.

„Durch das Angebot versuchen wir, die Obdachlosen zu versorgen und sie dazu zu bewegen, die Nächte in einer der Übernachtungsstellen zu verbringen“, sagt Bärbel Mittelmann, Obdachlosenkoordinatorin der Stadt Wuppertal.

Am 24. November wurde die Hotline freigeschaltet. In den ersten Wochen haben sich laut Bärbel Mittelmann schon einige Bürger gemeldet, die sich um wohnungslose Mitmenschen gesorgt haben. „Schabernackanrufe oder abgebrochene Gesprächen waren aber nicht dabei“, sagt die Koordinatorin.

Der „Gutenachtbus“ in Düsseldorf ist das ganze Jahr über im Einsatz. Er dient als mobiles Ess- und Sprechzimmer, kann in Extremfällen aber zusätzlich als rettendes Hilfsmittel für Menschen dienen, die im Winter nicht mehr weiter wissen.

„Besonders in den letzten kalten Tagen haben wir vermehrt Anrufe bekommen, häufig auch für ein und dieselbe Person“, sagt Bruder Peter Amendt, Vereinsleiter von „Vision teilen“, der die Aktion ins Leben gerufen hat.

Der Bus soll die Lücke zu den Einrichtungen schließen, die sich tagsüber um die Wohnungslosen kümmern. „Unser langfristiges Ziel ist es, die Leute ganz von der Straße wegzuholen“, sagt Bruder Peter Amendt über das Projekt in der Landeshauptstadt.

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