Mithäftlinge sollen 16-Jährigen misshandelt und sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt.

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Die JVA Herford: In dem „Jugendknast“ sind jugendliche U-Häftlinge und Strafgefangene untergebracht.

Die JVA Herford: In dem „Jugendknast“ sind jugendliche U-Häftlinge und Strafgefangene untergebracht.

dpa

Die JVA Herford: In dem „Jugendknast“ sind jugendliche U-Häftlinge und Strafgefangene untergebracht.

Düsseldorf. Drei Jahre nach dem qualvollen Tod eines Häftlings in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Siegburg gibt es erneut Folterwürfe gegen junge Gefangene einer NRW-Haftanstalt. In der JVA Herford sollen im vergangenen Sommer zwei 16 und 17Jahre alte Häftlinge einen damals 16-jährigen Mitgefangenen misshandelt, sexuell missbraucht und dann zum Selbstmord aufgefordert haben.

Drei Beschuldigte streiten alles ab, der Vierte ist noch nicht vernommen

"Wir ermitteln gegen insgesamt vier Beschuldigte im Alter von 16 bis 20 Jahren in der JVA Herford - davon zwei als Hauptbeschuldigte und zwei als nachrangig Beschuldigte", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld, Reinhard Baumgart, am Freitag gegenüber unserer Zeitung. "Die den Ermittlungen zu Grunde liegenden Vorwürfe sind aber nicht gesichert", betonte Baumert.

Drei der vier Beschuldigten haben nach Baumgarts Angaben die Vorwürfe komplett abgestritten, der vierte Beschuldigte wurde noch nicht vernommen. Insbesondere habe auch noch kein Staatsanwalt mit dem angeblichen Folter-Opfer sprechen können. Grund: Der inzwischen 17-Jährige hält sich derzeit zu einer einjährigen Jugendhilfe-Maßnahme des Jugendamtes Gütersloh in der Ost-Türkei auf.

Die Vorwürfe, wonach das angebliche Opfer in der Zelle der beiden Hauptbeschuldigten unter anderem mit einem Besenstiel geschlagen, zum Oralsex gezwungen und mit einem Stuhlbein vergewaltigt worden sein soll, waren bei einem Prozess gegen den damals 16-Jährigen vor dem Jugendschöffengericht Detmold am 6. August 2009 aufgetaucht. Dort war das angebliche Opfer wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle angeklagt - und hatte deshalb zuvor in der JVA Herford in U-Haft gesessen.

Ein jugendlicher Mithäftling hatte in dem Prozess ausgesagt, der 16-Jährige dürfe keinesfalls zurück in die JVA Herford geschickt werden, weil es dort zu den genannten Zwischenfällen gekommen sei, die das Opfer bislang aus Angst verschwiegen habe. Auf eindringliche Nachfragen des Richters stritt das mögliche Opfer die Misshandlungen jedoch ab, erklärte, es habe lediglich "eine Schlägerei" gegeben.

Nach dem Urteil wurde der 16-Jährige dann tatsächlich nicht zurück in die JVA Herford geschickt, sondern zu der einjährigen Erziehungsmaßnahme unter Obhut des Jugendamtes Gütersloh in der Türkei. SPD und Grüne wollen das Thema am Mittwoch auf die Tagesordnung des Landtags-Rechtsausschusses setzen - und verlangen von Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) einen detaillierten Bericht.

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