Das Problem werde von deutschen Behörden immer noch verharmlost. Es geht um Milliarden.

Düsseldorf. Die italienische Parlamentsabgeordnete und Expertin für organisierte Kriminalität, Laura Garavini, bezeichnet NRW als ein Zentrum der Mafia-Aktivitäten außerhalb Italiens. "Deutschland ist immer noch das reichste Land in Europa. Hier verdient die Mafia richtig Geld." Und NRW stehe im Mittelpunkt - "wegen seiner günstigen Lage", sagte die Politikerin der links-bürgerlichen Demokratischen Partei und Mitbegründerin des Bündnisses "Mafia? Nein Danke."

Garavini, die der Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments angehört, warnte gleichzeitig vor einer Unterschätzung der Bedrohungslage und warf NRW-Innenminister Ingo Wolf (FDP) Verharmlosung vor. Der hatte auf eine Anfrage der SPD bestritten, dass der Standort Deutschland eine besondere Attraktivität für die Mafia darstelle. "Da haben die Bosse Champagner-Flaschen geöffnet", so Garavini.

Vor den sechsfachen Morden von Duisburg im vergangenen Jahr sei die Verharmlosung noch größer gewesen. Dabei sei schon damals längst die kalabrische ’Ndrangheta vor allem in NRW und in den neuen Bundesländern fest verwurzelt gewesen.

Aus italienischer Sicht sei die Zusammenarbeit mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden stark verbesserungswürdig. "Das spielt sich noch zu stark auf der persönlichen Ebene ab. Da müssen offizielle Strukturen her", so Garavini. Sie legte eine Landkarte vor, aus der die lokalen Verwurzelungen den Clans in Deutschland hervorgeht (s.Grafik)..

Über die Mafia-Aktivitäten in Deutschland gibt es bisher nur Schätzungen. Experten gehen von Milliarden aus, die italienische Banden in Deutschland abschöpfen. Die Skala reicht dabei von Schutzgelderpressungen über Drogenhandel, Prostitution bis hin zu Baufirmen.

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