Wenig diplomatisch, aber ehrlich hatte der Sprecher des Verteidigungsministeriums nach dem fatalen Luftangriff das Dilemma des deutschen Afghanistan-Engagements auf den Punkt gebracht: Jene, die sich ein Urteil über diese verhängnisvolle Nacht bilden, säßen "im warmen Sessel in Berlin". Genau das ist das Problem.

Aus der sicheren Distanz von fast 5.000 Kilometern ist es leicht, den Stab zu brechen über den Offizier, der die Luftunterstützung anforderte. Da ist es auch leicht, Soldaten zu verurteilen, die an einem Kontrollpunkt auf ein durchbrechendes Auto schießen und dabei versehentlich Zivilisten töten. Dass die Soldaten tagtäglich damit rechnen müssen, von Selbstmordattentätern in die Luft gesprengt zu werden, sich Gefechte mit Taliban liefern und unvorstellbares Elend erleben, wird dabei gerne ausgeblendet.

Nur wenige sprechen aus Sicht der Truppe. Umso wichtiger ist der Klartext von Bundeswehrverbandschef Kirsch. Seine Forderung nach einer zentralen Staatsanwaltschaft für Auslandseinsätze darf nicht ungehört verhallen, denn sie könnte den Soldaten mehr Sicherheit geben. Genauso nötig ist aber endlich Rückendeckung von der Heimatfront. In Hinterhalte gerät die Bundeswehr in Afghanistan oft genug.

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