Die Chefin der NRW-SPD will keinen Job auf Bundesebene und hofft auf eine Trendwende.

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Hannelore Kraft.

Hannelore Kraft.

Hannelore Kraft.

Düsseldorf. Die Ansage kam gleich zu Beginn: "Ich gehe nicht nach Berlin. Ich mache jetzt Urlaub im Sauerland, und dann will ich Ministerpräsidentin in NRW werden."

Die Chefin der nordrhein-westfälischen SPD, Hannelore Kraft, dementierte am Donnerstag in einem Journalistengespräch gleich zu Beginn, was in den vergangenen Wochen für eine gewisse Aufregung in der Landespolitik gesorgt hatte. Sie strebe eine Karriere auf Bundesebene an, gebe die Landtagswahl schon verloren, wurde vereinzelt geschrieben.

Kraft legt sich mit dem CDU-Star Ursula von der Leyen an

Alles Quatsch, war am Donnerstag Krafts Botschaft. Als Beleg für die These galt ein Beitrag der SPD-Landeschefin in einer bundesweit erscheinenden Zeitung zum Thema Familienpolitik. Dort skizzierte Kraft die Grundzüge der SPD-Familienpolitik und attackierte vor allem scharf den CDU-Star, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen.

Das führte zu wüsten Spekulationen, Kraft wolle nach Berlin, und bei der NRW-Landtagswahl im Mai 2010 werde nach einer verlorenen Bundestagswahl Peer Steinbrück erneut als Spitzenkandidat antreten. Das erstickte auch Steinbrück barsch im Keim.

Doch diese Gerüchte hatten nur deshalb eine Chance auf Wahrnehmung, weil die Lage der SPD unverändert schlecht ist - auch in NRW. "Das ist unser großes Problem. In der Öffentlichkeit geht es nur um die schlechten Umfragewerte. Das hilft nur Merkel und Rüttgers", sagte Kraft.

Hannelore Kraft hat nicht die übliche Ochsentour in der NRW-SPD hinter sich. Sie ist erst im Alter von 33 Jahren in die SPD eingetreten. Das war 1994, Kraft hatte da schon das Abitur, eine Bankausbildung und ein Wirtschaftsstudium hinter sich. In die Partei trat sie nach eigenem Bekunden ein, weil die bei der Kommunalwahl in Mülheim gerade eine große Schlappe erlitten hatte - "Jetzt erst recht" sei ihre Devise gewesen.

Dann ging alles ganz schnell: 2000 wurde sie Landtagsabgeordnete, ein Jahr später berief sie der damalige Ministerpräsident Wolfgang Clement ins Kabinett. Nach der Wahlniederlage im Mai 2005 wurde sie zunächst Fraktionschefin im Landtag, zwei Jahre später auch Landesparteichefin.

Kraft ist schon seit langem als Spitzenkandidatin für die Landtagswahl 2010 nominiert. Ein Konkurrent ist nicht in Sicht. Sollte sie verlieren, werden die Karten neu gemischt.

Dabei gingen aber die guten Inhalte verloren, mit denen die SPD punkten könnte, wenn sie denn durchdringe, sagte die Mülheimerin, die auch Mitglied des Präsidiums der Bundes-SPD ist. Von dem Konzept Kindergrundfreibetrag würden gerade Normalverdiener profitieren, während die vermeintliche "Super-Mutter" von der Leyen nur Gutverdiener bedienen wolle. Als Leitthema werde die SPD den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft in den Vordergrund stellen - sowohl Ende September bei der Bundestagswahl als auch danach bei der Entscheidung in NRW.

Das alles klingt fundiert und wird von Kraft mit Herzblut vorgetragen. An den schlechten Umfragewerten des Landesverbands ändert das bislang nichts. Zwar rangiert er vor den Werten der Bundes-SPD. Kraft hat aber bisher keine Perspektive, im Mai Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) abzulösen. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als neue Energie zu tanken - beim Sporturlaub im Sauerland.

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