Nach dem Amoklauf von Ansbach forciert die CDU-Politikerin die Prävention. Jede dritte Schule soll versorgt werden.

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NRW-Ministerin Barbara Sommer sieht einen erhöhten Bedarf an psychologischer Beratung.

NRW-Ministerin Barbara Sommer sieht einen erhöhten Bedarf an psychologischer Beratung.

dpa

NRW-Ministerin Barbara Sommer sieht einen erhöhten Bedarf an psychologischer Beratung.

Düsseldorf. NRW-Schulministerin Barbara Sommer (CDU) will 1000 Psychologen für die weiterführenden Schulen in NRW. Das ist eine Konsequenz aus dem Amoklauf im bayerischen Ansbach und den sich häufenden Gewalttaten an den Schulen. Derzeit sind landesweit 300 Psychologen an den 3000 weiterführenden Schulen beschäftigt. "Ein eigener Psychologe für jede Schule ist nicht notwendig. Es wäre aber wünschenswert, wenn wir jeweils drei bis vier weiterführenden Schulen einen gemeinsamen Schulpsychologen zur Verfügung stellen könnten", sagte Sommer unserer Zeitung.

Die Finanzierung könnte über den Lehrer-Etat laufen

Die Kosten für die Spezialisten teilen sich Land und Kommunen. Sommer schlägt vor, dass die zusätzliche Finanzierung über den Lehrer-Etat laufen könnte. Dann müssten sich zum Beispiel drei benachbarte Schulen einen Psychologen teilen, dafür aber auf jeweils eine Drittel-Lehrerstelle verzichten.

NRW hatte nach dem Amoklauf von Emsdetten, bei dem vor drei Jahren ein 19-Jähriger in einer Realschule fünf Menschen verletzte und sich dann selbst tötete, einen Notfallordner entwickelt und ihn an alle weiterführenden Schulen in NRW verteilt. "Es ist sichergestellt, dass es im Notfall in jeder Schule ein Alarmsignal gibt", sagte ein Sprecher des Schulministeriums. Zwar gebe es nicht überall eine Lautsprecherdurchsage, aber doch zumindest Signaltöne über die überall vorhandene Klingel.

In Ansbach rätseln die Ermittler derweil über die Motive des Gymnasiasten, der seine Mitschüler mit einer Axt und Brandbomben angegriffen hatte. Zwar haben sie im Zimmer des 18-Jährigen ein Testament und ein zum 17.September - dem Tattag - mit "Apocalypse today" beschriftetes Kalenderblatt gefunden. "Doch es gab keine Drohungen gegen konkrete Personen", sagte Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger. Der Attentäter lag nach seiner Operation am Freitag noch im künstlichen Koma. Von seinen Opfern schwebt keines mehr in Lebensgefahr. Der Kriminologe Frank Robertz warnte im Gespräch mit unserer Zeitung angesichts der Häufung der Amokläufe vor Nachahmungstätern.

Im November 2006 schoss der 18-jährige Bastian B. in der Geschwister-Scholl-Schule in Emsdetten wahllos um sich und verletzte fünf Personen, tötete sich schließlich selbst.

Nach Emsdetten bekam jede NRW-Schule einen Ordner mit Verhaltenshinweisen und Kontaktadressen für Notfälle.

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