Kriminalität: Weil sie einen Datenklau an Geldautomaten befürchten, schließen mehrere Sparkassen während der Nacht ihre SB-Bereiche.

Ein Geldautomaten-Experte demonstriert, wie ein Geldautomat mit einer falschen Eingabe-Tastatur und einem falschen Kartenlesegerät manipuliert wird: Skimming nennt man solche Vorgehensweisen.
Ein Geldautomaten-Experte demonstriert, wie ein Geldautomat mit einer falschen Eingabe-Tastatur und einem falschen Kartenlesegerät manipuliert wird: Skimming nennt man solche Vorgehensweisen.

Ein Geldautomaten-Experte demonstriert, wie ein Geldautomat mit einer falschen Eingabe-Tastatur und einem falschen Kartenlesegerät manipuliert wird: Skimming nennt man solche Vorgehensweisen.

dpa

Ein Geldautomaten-Experte demonstriert, wie ein Geldautomat mit einer falschen Eingabe-Tastatur und einem falschen Kartenlesegerät manipuliert wird: Skimming nennt man solche Vorgehensweisen.

Düsseldorf. Mit Freunden ins Kino und danach noch auf ein Bier in die Kneipe - für viele ist das ein ganz normaler Freitagabend. Manchmal wird es dann länger als geplant - und auch teurer.

Kein Problem, schließlich kann man ja jederzeit Geld am Automaten abheben. Jederzeit? Nicht ganz, denn einige Sparkassen wollen vorbeugend gegen Verbrecher vorgehen, schließen daher nachts ihre Geldautomaten.

Betroffen sind 40 Geldautomaten in Düsseldorf und im Bergischen

"Seit Ende Mai werden bei uns die Selbstbedienungbereiche mit den Automaten zwischen 0.30 und 5 Uhr geschlossen", sagt Bernhard Lück, Pressesprecher der Kreissparkasse Düsseldorf.

Das Haus will sich so gegen so genannte Skimming-Attentate schützen, bei denen die Geldautomaten derart manipuliert werden, dass die EC-Kartendaten und Pin erschnüffelt werden, um dann das Konto leerzuräumen.

"Wir haben gesehen, dass solche Manipulationen häufig nachts passieren. Wir wollen unsere Kunden mit dieser Maßnahme davor schützen", sagt Lück. Die Kreissparkasse besitzt rund 40 Geldautomaten in ihren Geschäftsstellen in Düsseldorf, Erkrath, Mettmann, Wülfrath und Heiligenhaus.

Der Fachausdruck kommt vom englischen "to skim" für absahnen oder abschöpfen. Gemeint ist das illegale Abschöpfen von Daten der Bankkunden.

Die Täter verstecken Kameras hinter Blenden, setzen hauchdünne Tastaturen oder Eingabeschlitze auf die Automaten oder Türöffner. Sie schlagen gerne an Wochenenden und vor Feiertagen zu, um nicht gestört zu werden. Sie bevorzugen außen an Banken angebrachte Automaten, solche in SB-Stellen und kleine Kabinen mit Auszugsdrucker und Geldautomat, die oft keine Kameras haben. Die erschlichenen Daten werden auf CD-Rohlinge übertragen, im Ausland wird damit Geld gezogen.

Kunden sollten den Geldautomaten sorgfältig überprüfen: Könnte eine Kamera versteckt oder ein Aufsatz an Tastatur und Kartenleser angebracht sein? Sobald ein Verdacht entsteht, den Automaten nicht nutzen und die die Bank oder die Polizei alarmieren.

"Nur ein oder zwei Automaten befinden sich außerhalb der Eingangsbereiche", sagt Lück. Alle anderen seien von der Sicherheitsmaßnahme betroffen.

Die Verbraucherzentrale NRW bewertet die Maßnahme als "heikel"

Und was sagen die Kunden? Die wurden frühzeitig über die Umstellung informiert. Reaktionen darauf gab es laut Bernhard Lück nicht: "So viele Kunden müssen nachts ja nicht an den Automaten." Die Verbraucherzentrale NRW sieht die Angelegenheit dagegen nicht so locker: "Heikel", sagt Bank-Jurist Markus Feck.

"Manchmal braucht man halt doch nachts Geld." Deshalb gibt es schließlich Geldautomaten - damit der Kunde auch außerhalb der Geschäftszeiten an sein Geld kommt. Und in der Regel muss er für diesen Service mit der monatlichen Girogebühr zahlen. "Ich halte dieses Verhalten für eine Nebenpflichtverletzung des Giro-Vertrags", sagt Markus Feck.

Andere Banken halten nichts von einer Schließung

Denn dadurch könnte der Kunde gezwungen sein, in der Nacht zu einem Automaten einer Fremdbank zu gehen und dort hohe Gebühren für die Abhebung zu zahlen. "Meiner Meinung nach müsste die Kreissparkasse dann diese Gebühren ersetzen."

Fraglich ist auch, wie sinnvoll die Schließung des SB-Bereichs im Kampf gegen Skimming ist. Denn zum einen handelt es sich um eine Vorbeugemaßnahme der Kreissparkasse, denn bisher hatte sich noch niemand an ihren Geldautomaten zu schaffen gemacht.

Zum anderen können Automaten auch vor oder nach der Sperrstunde manipuliert werden. Dieser Meinung sind auch andere Kredithäuser. "Wir haben von der Maßnahme gehört, aber wir sind der Meinung, dass dies nicht die Lösung des Problems ist", sagt Gerd Meyer, Sprecher der Stadtsparkasse Düsseldorf.

Sparkassen am Niederrhein fürchten Sprengstoff-Anschläge

Anders sieht es bei den Sparkassen am Niederrhein und in Krefeld aus. Auch sie greifen zu dieser außergewöhnlichen Maßnahme, schließen nachts ihre SB-Bereiche. Allerdings nicht aus Angst vor Skimming, sondern weil sie in den vergangenen Monaten Opfer von Sprenganschlägen wurden.

Mit Explosionen wollten Verbrecher an das Geld in den Automaten gelangen. "Wir machen das seit zwei Jahren, und unsere Kunden haben viel Verständnis dafür", sagt Jörg Zimmer, Sprecher der Sparkasse Niederrhein.

Bleibt nur die Frage, ob sich jemand, der bereit ist, einen Geldautomaten in die Luft zu jagen, von einer verschlossenen Glastür abhalten lässt. Bisher gab es allerdings keine weiteren Vorfälle dieser Art mehr.

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