Nach dem Weltkrieg zogen die Besatzer willkürlich Grenzen und stifteten eine Zwangsehe.

Düsseldorf. Fragt man irgendwo in Deutschland, wo das Rheinland liegt, ist die wahrscheinlichste Antwort: "Köln und Drumrum, da ist es, das Rheinland." Der kölsche Patriot würde in seinem Alleinvertretunganspruch eifrig nicken. Tatsächlich aber handelt es sich um ein rätselhaftes Gebilde, das nie eine erschöpfende geographische, politische und behördliche Identifikation erfahren hat.

Auf den Landkarten taucht der Name fürs "ganze" Rheinland nirgends auf. Nur für Bruchstücke findet man ihn, so in Rheinland-Pfalz, Landschaftsverband Rheinland, Fußballverband Rheinland und Evangelische Kirche im Rheinland, die sogar Teile des Saarlands einschließt. Auch die neue IHK-Initiative Rheinland definiert die Region ganz eigen: Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln und Mittlerer Niederrhein - das war’s dann.

Ein geographischer Riese war das Rheinland zur preußischen Zeit als "Rheinprovinz" ab 1822 - zwischen Emmerich und Saarbrücken liegen immerhin 300 Kilometer. Verwaltungshauptstadt war Koblenz. Die Rheinprovinz umfasste hauptsächlich die links des Stroms liegenden Gebiete Niederrhein, Kölner Bucht, Eifel, Hunsrück und sogar das Saargebiet. Sie griff aber auch rechtsrheinisch ins Ruhrgebiet bis Essen sowie ins Bergische und Oberbergische Land und in Teile des Westerwalds.

Den Sprung auf die amtliche Landkarte schaffte "Rheinland" erstmals nach Ende der "Provinz" 1946 mit der Bildung der Bundesländer durch die Siegermächte. Der Süden der Preußenprovinz wurde mit willkürlichem Grenzstrich mitten durch die Eifel als Bundesland Rheinland-Pfalz geschaffen. Der etwas größere und dichter bevölkerte Norden, darin das halbe Rhein-Ruhr Industrierevier und der Duisburger Mega-Hafen, musste auf Betreiben der britischen Besatzer als "Nordrhein" die Zwangsehe mit der ebenfalls preußischen Provinz Westfalen eingehen.

Die Wortbildung für die Neuschöpfung Nordrhein-Westfalen ist verunglückt. Nie und nimmer sagt, wer zum Niederrhein fährt, er begebe sich nach "Nordrhein". Auch Nordrheiner gibt es nicht, genauso wenig einen Nordrhein-Westfalen. Es bleiben Rheinländer und Westfalen, die in dem Bundesland leben, das den Namen Rheinland-Westfalen verdient hätte. rwü/mhs

Präambel Jede Jeck es anders (Alle Menschen sind gleich)

§ 1 Et es wie et es (Sieh den Tatsachen ins Auge).

§ 2 Et kütt wie et kütt (Habe keine Angst vor der Zukunft)

§ 3 Et hätt noch emmer joot jejange (Lerne aus der Vergangenheit)

§ 4 Wat fott es, es fott (Jammere den Dingen nicht nach)

§ 5 Et bliev nix wie et wor (Sei offen für Neuerungen)

§ 6 Kenne mer nit, bruuche mer nit, fott domett (Sei kritisch, wenn Neuerungen überhand nehmen)

§ 7 Wat wellste maache? (Füge dich in dein Schicksal)

§ 8 Maach et joot, äwwer nit ze off (Achte auf deine Gesundheit)

§ 9 Wat soll dä Quatsch? (Stelle immer zuerst die Universalfrage)

§ 10 Drenkste eene met? (Komme dem Gebot der Gastfreundschaft nach)

§ 11 Do laachste dich kapott (Bewahre dir eine gesunde Einstellung zum Humor)

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